Vorfälle in Sachsen : Thierse: Osten ist empfänglicher für Menschenfeindlichkeit

Ex-Bundestagspräsident Wolfgang Thierse erklärt die Fremdenfeindlichkeit in Sachsen mit den "radikalen Umbrüchen" im Osten. Hass und Gewalt seien dort stärker sichtbar.

Wolfgang Thierse, ehemaliger Bundestagspräsident (SPD), bezeichnet die Menschen im Osten als "empfänglicher von menschenfeindlichen Botschaften".
Wolfgang Thierse, ehemaliger Bundestagspräsident (SPD), bezeichnet die Menschen im Osten als "empfänglicher von...Foto: dpa

Nach den jüngsten fremdenfeindlichen Pöbeleien in Sachsen hat der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse die Menschen im Osten als "empfänglicher für menschenfeindliche Botschaften" bezeichnet. "Hass und Gewalt sind im Osten stärker sichtbar und hörbar", sagte der SPD-Politiker den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Dies erkläre er sich mit den radikalen Umbrüchen der vergangenen Jahre. "Wer in den vergangenen 25 Jahren so viele Veränderungen überstehen musste, ist offensichtlich weniger gefestigt in seinen demokratischen und moralischen Überzeugungen", sagte Thierse.


Thierse: Mob pervertiert den Satz "Wir sind das Volk"

Wolfgang Thierse warf dem ausländerfeindlichen Mob von Clausnitz vor, er pervertiere den Satz „Wir sind das Volk“. „Diese Menge dreht den Ruf 'Wir sind das Volk' in seinem Sinn um“, sagte er. Im Wendejahr 1989 sei dies ein Ruf der Ohnmächtigen und Schwachen gegen die Mächtigen der SED-Diktatur gewesen. „Heute wird dieser Ruf gegen die Ohnmächtigen und Schwachen geschrien, gegen die Ausländer und Fremden, die zu uns kommen“, kritisierte der SPD-Politiker. „Das nenne ich eine Pervertierung des Rufes 'Wir sind das Volk'.“


Am Donnerstagabend hatte eine pöbelnde Menge einen Bus mit ankommenden Flüchtlingen in Clausnitz, einem Ortsteil der Gemeinde Rechenberg-Bienenmühle, blockiert. In der Nacht zu Sonntag brannte in Bautzen ein ehemaliges Hotel, das ab März als Flüchtlingsunterkunft dienen sollte. Schaulustige zeigten laut Polizei "unverhohlene Freude" und kommentierten den Brand mit abfälligen Bemerkungen gegen Flüchtlinge. (AFP/epd)



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