Politik : Vorstand, radikal verschlankt

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Deutschland will dünner werden, und zwar freiwillig, bevor die EU-Kommission ein Strafverfahren wegen Verletzung der Brotaufstrich-Kriterien einleitet. Doch wo ansetzen? Vorbildlich, wie SPD-Chef Kurt Beck die Sache angeht: Er schlägt sich nicht mit Diätplänen herum, tauscht nicht schlagartig wie einst Helmut Kohl die staatstragenden Zwei- gegen filigrane Einreiher um. Sondern verschlankt gleich den gesamten Parteivorstand.

Nur noch drei statt bisher fünf Stellvertreter: Das macht schätzungsweise eine Gewichtsreduzierung von 150 Kilogramm, auch, wenn wir berücksichtigen, dass die Neuen, jeder für sich, eher etwas runder als ihre Vorgänger ausfallen und damit den Vorstands-Masse-Index (VMI) negativ beeinflussen.

Damit meldet Beck also überzeugende Zahlen nach Brüssel, wirft aber eine heikle Grundsatzfrage auf: Wie viele Stellvertreter braucht ein Parteichef, und was tun sie überhaupt? Die meisten Stellvertreter überhaupt gönnte sich Saddam Hussein, um für die Mutter aller Stellvertreterkriege vorbereitet zu sein – sie waren permanent zum Abschuss freigegeben, hatten aber ein miserables politisches Standing. Zudem mussten sie allesamt exakt wie der Boss aussehen, was im Fall Kurt Becks kaum realisierbar ist.

Umgekehrt kommt Gott mit exakt einem Stellvertreter aus, ohne dass sich daraus ein merkliches Machtvakuum ergäbe. Doch Beck ist weder Gott noch Saddam Hussein, und deshalb gibt der Wechsel von fünf auf drei allenfalls die Richtung an. „So sind wir besser darstellbar“, heißt es in der Partei, was im Beratersprech bedeutet, dass jeder einzelne häufiger im Fernsehen mit Lafontaine und Geißler zanken darf. Außerdem soll der Chef selbst besser sichtbar werden, damit die Deutschen auf die Frage nach dem Namen des SPD-Vorsitzenden nicht immer „Matschie“, „Bullerjahn“ oder „Knut“ antworten.

Der Osten allerdings hat nun niemanden mehr droben. Aber welche Einzelgruppe hat das schon? Nehmen wir beispielsweise die Lesben mit Ostbiografie, die sich dem rechten Seeheimer Kreis zugehörig fühlen: Wer außer ihnen selbst könnte sie repräsentieren? Wer für die nach links driftenden niederrheinischen Frührentner einstehen, wenn es hart auf hart kommt im Vorstand? Insofern ist jedes einzelne Mitglied auch irgendwie stellvertretender Parteivorsitzender der Herzen.

Ach, und mit Knut ist ohnehin nicht mehr zu rechnen. Denn der wird ja immer dicker.

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