Politik : Vorzeitige Entlassung nicht in Sicht

Seit einem Jahr sind ein Deutscher und ein Franzose wegen „illegalen Grenzübertritts“ in Iran in Haft

Dagmar Dehmer

Berlin - Karin Klein weiß ganz genau, wer Schuld hat an dem ganzen Unglück, das über ihre Familie gekommen ist. „Der Franzose“, sagt sie „hat meine Familie ruiniert und unser Geschäft“. Schließlich habe Stéphane Lherbier das Boot gesteuert, mit dem er und Donald Klein in iranische Hoheitsgewässer geraten sind. Das war am 29. November 2005. Während eines Urlaubs in den Vereinigten Arabischen Emiraten wollte Klein zum Hochseefischen aufs Meer hinausfahren. Schon ein gutes Jahr vor seinem Urlaub hatte er bei Lherbier das Boot gebucht. Er war vor seinem Urlaub auch schon einmal zwei Tage zur Probe mit ihm unterwegs gewesen. Seit dem 29. November 2005 sitzt Donald Klein mit Stéphane Lherbier in einem Gefängnis in Teheran. Und derzeit spricht wenig dafür, dass der Bildhauer und sein Bootsführer vor dem Juni 2007 dieses Gefängnis werden verlassen können.

Im November haben Anglerkollegen von Klein eine Briefaktion im Internet begonnen, um eine vorzeitige Haftentlassung zu erreichen. Klein und Lherbier waren wegen „illegalen Grenzübertritts“ zu jeweils 18 Monaten Haft verurteilt worden. Ein Vorstandsmitglied seines Sportanglervereins Lambsheim macht sich allerdings wenig Illusionen über den Erfolg der Aktion. Zwar haben rund 1700 Angler Unterstützungsbriefe geschrieben, doch bewirken werde das „wohl nichts“, sagte er. Es gehe vor allem darum, Karin Klein und Donald Klein im Gefängnis moralisch zu unterstützen, findet er. Zumindest Karin Klein weiß das zu schätzen. „Wenn überhaupt keiner was tut ...“, sagt sie.

Karin Klein ist ziemlich unzufrieden mit der Unterstützung durch die Bundesregierung. „Mein Mann wäre mit Sicherheit schon draußen, wenn Deutschland die iranischen Forderungen erfüllen würde“, sagt sie. Aber niemand stelle auch nur die Frage, welche Forderungen der Iran stelle, beklagt sie. Ihren Mann gehe es „jedenfalls nicht gut“. Donald Klein habe in der Haft 25 Kilogramm abgenommen. Dabei „ist er doch völlig unschuldig“. Und nie habe mal jemand gefragt, wovon sie und die beiden Kinder, die sich beide in einer Ausbildung befänden, eigentlich lebten, solange ihr Mann im Gefängnis im Iran sitzt. Auch Donald Klein fühlt sich „ziemlich verlassen“, wie er in einem Gefängnistagebuch schreibt, das Stern-TV vor kurzem veröffentlicht hat. „Die Botschaft bringt nicht mal auf die Reihe, mich einmal die Woche zu besuchen“, beklagt er sich darin.

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts sagte dem Tagesspiegel: „Wir bemühen uns sehr intensiv um eine vorzeitige Haftentlassung von Herrn Klein.“ Allerdings hatten diese Bemühungen bisher keinen Erfolg. Was erreicht worden sei, seien Hafterleichterungen, berichtete sie. Klein kann sich im Gefängnis inzwischen frei bewegen. Er kann täglich zweimal seine Frau anrufen und wird jede Woche einmal von einem deutschen Pfarrer besucht. Im Juli hatte er eine Woche Hafturlaub, den er in Teheran mit seiner Frau verbringen durfte. Und auch Botschaftsmitarbeiter würden Klein häufig besuchen, sagte die Sprecherin. Die Aussichten für eine vorzeitige Entlassung sind offenbar nicht besonders groß. Doch zumindest habe die iranische Seite die Vorwürfe fallen gelassen, Klein und Lherbier seien Spione, weil sie ein Ortungssystem auf dem Schiff hatten und Kameras, mit denen Klein offenbar seine Fänge fotografiert hatte. Ein weiterer Prozess, wie er zwischendurch einmal angedroht worden sei, habe sich wohl erledigt.

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