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Wahl in Afghanistan : Tausende Afghanen strömen an die Wahlurnen

Trotz den Drohungen der Taliban und einer detonierten Sprengladung nehmen tausende Afghanen ihr Recht wahr, einen neuen Präsidenten zu wählen. Den Taliban sollen "die Stimmen eine Ohrfeige sein", sagte eine Wählerin vor Stimmabgabe.

Tausende Afghanen wählten heute einen neuen Präsidenten.
Tausende Afghanen wählten heute einen neuen Präsidenten.Foto: Reuters

In den ersten Stunden nach Öffnung der Wahllokale lagen keine Bericht über größere Zwischenfälle vor. Die Taliban hatten angekündigt, die Abstimmung mit Gewalt zu verhindern. Karsai rief seine Landsleute auf, trotz der Drohungen der Islamisten zur Wahl zu gehen. „Heute ist ein wichtiger Tag für unsere Zukunft, für die Zukunft unseres Landes“, sagte der scheidende Präsident, als er nahe dem Präsidentenpalast seine Stimme abgab. Er sei glücklich und stolz, ein Bürger Afghanistans zu sein.

Karsai kann nicht wiedergewählt werden

Die Taliban hatten ihre Angriffe zuletzt verstärkt, um die Abstimmung zu stören. Unter anderem waren auf die Büros der afghanischen Wahlkommission innerhalb einer Woche zwei Anschläge verübt worden. Zudem sorgte der Tod der deutschen Kriegsfotografin Anja Niedringhaus international für Bestürzung. Die 48-Jährige wurde am Freitag im Osten des Landes von einem afghanischen Polizisten erschossen.
Karsai führte das Land am Hindukusch seit dem Sturz der Taliban im Herbst 2001, darf nach zwei Amtszeiten aber nicht erneut antreten.

Unter den acht Kandidaten, die sich um seine Nachfolge bewerben, gelten Karsais langjähriger Rivale Abdullah Abdullah, der renommierte Intellektuelle Aschraf Ghani und der frühere Außenminister Zalmai Rassul als Favoriten. Es gilt als unwahrscheinlich, dass ein Kandidat schon im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erringen kann. Vorläufige Auszählungsergebnisse sollen am 24. April vorliegen, die Stichwahl dürfte am 28. Mai stattfinden.

Auch unter Gefahr gehen die Menschen zur Wahl

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) zog vor der Abstimmung am Samstag eine positive Bilanz des Einsatzes der Bundeswehr in dem Land. „Die Trauer um die gefallenen deutschen Soldaten wird uns immer begleiten, aber der Einsatz hat für die Menschen Fortschritte gebracht.“, sagte von der Leyen der „Bild"-Zeitung. In Afghanistan würden inzwischen acht Millionen Kinder zur Schule gehen, davon drei Millionen Mädchen. Die junge Generation könne dort überwiegend lesen und schreiben. Und die Menschen würden auch unter Gefahren zur Wahl gehen. „Das hätte es unter dem Regime der Taliban nie gegeben“, sagte von der Leyen. Auch Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) bescheinigte dem Land große Fortschritte. „Es ist an sich ein großer Erfolg, dass diese Wahlen stattfinden: mit Wahlkundgebungen, Diskussionen über die Kandidaten“, sagte Müller der Onlineausgabe der „Welt“.

Die Bundeswehr ist seit dem Beginn der ISAF-Mission im Jahr 2001 am Hindukusch präsent. Der internationale Kampfeinsatz läuft zum Jahresende aus, auch danach sind aber noch Unterstützungsmissionen geplant. Ein Abkommen, das den Status der US-Truppen ab dem kommenden Jahr regeln und auch Vorbild für andere Länder sein soll, muss von der afghanischen Präsidentschaft noch unterzeichnet werden. Karsai will dies seinem Nachfolger überlassen. Die NATO und die USA machen das Abkommen zur Bedingung für eine ISAF-Nachfolgemission.

Außenminister Steinmeier zeigt Respekt vor afghanischer Bevölkerung

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hofft nach der Wahl in Afghanistan auf Akzeptanz für den neuen Präsidenten im ganzen Land. „Ich habe großen Respekt vor dem Engagement, das die Menschen in Afghanistan zeigen“, sagte Steinmeier in Griechenlands Hauptstadt Athen nach einem Treffen der EU-Außenminister. Die Bevölkerung lasse sich nicht durch Gefahren und Gewalt von der Stimmabgabe abschrecken. Er hoffe, dass es am Ende einen Präsidenten geben werde, der „akzeptiert wird in ganz Afghanistan.“ Die Wahl begann am Morgen unter strengen Sicherheitsvorkehrungen.

Afghanen gehen trotz Taliban-Drohungen zur Wahl

Trotz Anschlagsdrohungen der Taliban hat sich die afghanische Bevölkerung am Samstag rege an der Wahl des neuen Präsidenten beteiligt. Vor den 6000 Wahllokalen bildeten sich zum Teil lange Schlangen. Landesweit waren 400.000 Sicherheitskräfte zur Absicherung des Urnengangs im Einsatz. Die Wahllokale öffneten um 16.00 Uhr (13.30 Uhr MESZ) schließen. Es gab etwa 13,5 Millionen Stimmberechtigte.

„Ich habe keine Angst vor Taliban-Drohungen“, sagte die 48-jährige Hausfrau Laila Nejasi, die in der Hauptstadt Kabul ihre Stimme abgab. „Meine Stimme soll für die Taliban eine Ohrfeige sein.“ In der südlichen von Kabul gelegenen Provinz Lugar wurden in einem Schulgebäude, das als Wahllokal diente, bei einer Explosion ein Mensch getötet und zwei weitere verletzt, wie Bezirkschef Abdul Hamid Agha sagte. Karsai rief seine Landsleute auf, trotz der Drohungen der Islamisten zur Wahl zu gehen. „Heute ist ein wichtiger Tag für unsere Zukunft, für die Zukunft unseres Landes“, sagte der scheidende Präsident, als er in der Nähe des Präsidentenpalastes seine Stimme abgab. Er sei glücklich und stolz, ein Bürger Afghanistans zu sein. Die Taliban hatten ihre Angriffe zuletzt verstärkt, um die Abstimmung zu stören. Unter anderem waren auf die Büros der afghanischen Wahlkommission innerhalb einer Woche zwei Anschläge verübt worden.

SMS-Kurznachrichtendienste bei Afghanistan-Wahl abgestellt

Zudem hat die Telekommunikationsbehörde in Afghanistan die SMS-Kurznachrichtendienste abgestellt. Der Schritt sei am Samstag auf Bitte der Wahlbeschwerdekommission (ECC) unternommen worden, sagte der Chef der Regulierungsbehörde ATRA, Scherbas Wakil. Die ECC, die für die Untersuchung von Wahlbetrug zuständig ist, wies das allerdings zurück. „Wir haben nie eine solche Anforderung gestellt“, sagte ECC-Chef Abdul Sattar Sadat der Nachrichtenagentur dpa. Er kritisierte, dass das SMS-Verbot „einen transparenten Wahlprozess und Beobachtungsprozess verhindern könnte“. Sadaat forderte ATRA auf, die SMS-Dienste wieder zu aktivieren. (AFP,dpa)

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