Politik : Wahlen in Israel: Gegen Scharon hat nur Peres eine Chance

Charles A. Landsmann

Der Wahlsieger in Israel steht einen Monat vor der Abstimmung fest: Ariel Scharon - wenn nicht doch noch Ehud Barak zur Seite rückt und Schimon Peres Platz macht. Nur mittels dieses unwahrscheinlichen Szenarios könnte eine Wahl des Rechtsaußen Scharon noch verhindert werden. Die neuesten Meinungsumfragen der Institute Dahaf und Gallup, die in den beiden großen Zeitungen "Yedioth Ahronoth" und "Maariv" veröffentlicht wurden, zeigen einen freien Fall Baraks. Sie verweisen auch auf die Tatsache, dass Scharon zwar gegen Barak bereits eine absolute Mehrheit hinter sich hat, gegen Peres aber unterliegen würde.

Laut "Dahaf" liegt Scharon jetzt mit 50 zu 32 Prozentpunkten vor Barak. Laut "Gallup" beträgt der Vorsprung gar 50 zu 22 Prozent. Noch nie lag ein Kandidat, geschweige denn ein amtierender Regierungschef und nur einen Monat vor der Wahl, so aussichtslos zurück. Noch verheerender für Barak sind aber andere Umfrageergebnisse. Wenn nicht er, sondern Friedensnobelpreisträger Schimon Peres gegen Scharon antreten würde, dann hieße laut beiden Umfrageinstituten der Sieger Peres: Laut "Dahaf" mit 49 Prozent gegenüber 44 Prozent für Scharon, gemäß "Gallup" mit 46 zu 43 Prozent. Peres, so populär wie noch nie, hält sich bewusst zurück mit doppeldeutigen Dementis und ebensolchen Unterstützungsadressen für Barak. Barak wiederum rückt seit Neuestem keinen Zentimeter mehr von Peres ab, nachdem die Beiden seit Jahren ein sehr spannungsgeladendes Verhältnis zueinander hatten.

Unterdessen gehen in Washington im Wettlauf mit der Zeit die Bemühungen um eine Eindämmung der Gewalt in Nahost und einen Rahmenvertrag für einen Frieden zwischen Israel und den Palästinensern weiter. Gilad Scher, ein enger Berater des israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barak, wollte sich am Freitag erneut mit US-Nahostvermittler Dennis Ross und Sicherheitsberater Sandy Berger treffen. Scher sollte dabei die schriftliche israelische Antwort auf den jüngsten Nahost-Vermittlungsvorschlag des US-Präsidenten Bill Clinton übergeben. Der israelische Abgesandte sagte allerdings vor dem Treffen, er erwarte keine Einigung mit den Palästinensern vor Clintons Ausscheiden aus dem Amt am 20. Januar. Auch der palästinensische Unterhändler Sajeb Erekat sagte, er rechne nicht mehr mit einem Vertragsabschluss innerhalb dieser Frist.

GroKo, Neuwahlen oder Minderheitsregierung? Erfahren Sie, wie es weitergeht - jetzt gratis Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar