Wahlkampf in Frankreich : Macron kann auch Härte zeigen

In Frankreich hat die entscheidende Phase des Wahlkampfs begonnen. Front-National-Chefin Marine Le Pen versucht, Favorit Emmanuel Macron als Kandidat der Eliten zu verunglimpfen. Ein Kommentar.

Der unabhängige Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron.
Der unabhängige Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron.Foto: AFP/Eliot Blondet

Manchmal kann ein einziger Satz eine ganze Wahl mitentscheiden. Ältere Franzosen erinnern sich noch daran, dass der Liberale Valéry Giscard d’Estaing vor mehr als vier Jahrzehnten im entscheidenden TV-Duell dem Sozialisten François Mitterrand eine meisterhafte Replik an den Kopf warf: „Sie haben nicht das Monopol der Herzen.“ Der Satz, der Mitterrands abgehobenes Auftreten bloßstellte, hat 1974 Giscard d’Estaing geholfen, Präsident zu werden.

Radikallinker Mélenchon spricht manchen Franzosen immer noch aus der Seele

Einen vergleichbaren verbalen Volltreffer hat es bei der ersten wichtigen Fernsehdebatte vor der aktuellen Präsidentschaftswahl in Frankreich noch nicht gegeben. Das ist keine Überraschung, denn bis zum ultimativen Showdown vor der entscheidenden zweiten Runde sind es noch rund sechs Wochen. Dennoch hat die Diskussion den Wählern einige wichtige Erkenntnisse geliefert.

Zunächst einmal: Es geht bei diesem Wahlkampf nicht nur um Skandale, sondern tatsächlich auch um Inhalte. Dass die Kandidaten auch darüber streiten sollen, welches Wirtschafts- oder Gesellschaftsmodell ihnen vorschwebt, hatte man angesichts der Scheinbeschäftigungsaffären des Konservativen François Fillon und der Chefin des rechtsextremen Front National, Marine Le Pen, schon fast vergessen. Dabei stach in dieser Debatte einer mit Witz und Schlagfertigkeit hervor, der eigentlich längst abgeschlagen ist: der Radikallinke Jean-Luc Mélenchon, der nicht gerade wenigen Franzosen immer noch aus der Seele spricht. Ob es für ihn tatsächlich zu einem Einzug in die Stichwahl reicht, ist dennoch fraglich.

Aus der ersten Fersehdebatte ging Macron als Punktsieger hervor

Ausschlaggebend an dieser Fernsehdebatte ist aber eine weitere Erkenntnis: Emmanuel Macron, der aussichtsreiche Kandidat der Mitte, kann notfalls auch Härte zeigen. Die wird ihm in der entscheidenden Phase des Wahlkampfs, die nun begonnen hat, ohnehin noch abverlangt werden. Le Pen hat auch bei diesem ersten Duell mit Macron versucht, dem ehemaligen Rothschild-Investmentbanker das Image eines Kandidaten der Eliten anzuheften, während sie sich selbst als Fürsprecherin der breiten Schichten darstellt. Macron hat vor einem Millionenpublikum gezeigt, dass er durchaus in der Lage ist, derartige Angriffe zu parieren. Der erste Punkt ging jedenfalls schon einmal an ihn.

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