Politik : Warum man Dieselabgase filtern sollte - Rußpartikel erhöhen das Krebsrisiko

Armin Lehmann

Im Umweltbundesamt redet man nicht so gerne über Steuern. Das überlässt man lieber den Finanzpolitikern. Zwar sei die große Spreizung zwischen dem normalen Benzinpreis und dem Diesel-Preis aus "Umweltsicht nicht gerechtfertigt", doch sollten bei der Diskussion um Diesel vor allem die gesundheitspolitischen Aspekte nicht vergessen werden. Soll heißen: Diesel ist viel gefährlicher als herkömmliches Benzin. Zwar hat der Dieselmotor einen etwas günstigeren Kraftstoffverbrauch, so dass es zu einer geringeren CO2

Emission als beim Ottomotor kommt.

Dennoch ist der Dieselmotor gesundheitsschädlicher. Das liegt daran, dass bei der Verbrennung von Diesel besonders krebserregende Partikel ausgestoßen werden. "Die neuesten Ergebnisse der Wirkungsforschung zeigen, dass das Abgas von Dieselmotoren mit heutiger Technik um rund zehn bis 20-fach krebserzeugender ist als ein herkömmlicher Ottomotor", erklärt Stefan Rodt vom Umweltbundesamt. Und dafür sei allein die Partikelemission des Dieselmotors ausschlaggebend.

Das weiß auch Umweltminister Jürgen Trittin. Und deshalb hat er unlängst gefordert, die Industrie müsse Partikelfilter für Dieselmotoren oder eine gleichwertige Technologie nicht nur bei schweren Nutzfahrzeugen einführen, "sondern auch bei Diesel-Pkw und leichten Nutzfahrzeugen." Mit dieser Forderung steht Trittin keineswegs alleine da. Selbst Peter Helmschik vom ADAC sagt: "Natürlich sind wir dafür, alle technischen Möglichkeiten auszunutzen, um diese Ruß- und Feinpartikel zu filtern." In der Industrie, gibt Helmschik freimütig zu, würden die Konzepte für den Einbau von Filtern längst in der Schublade liegen.

Einige Unternehmen haben sie sogar schon herausgezogen. Bei Lastkraftfahrzeugen und Bussen sind Partikelfilter sowieso schon zu haben. In der Pkw-Herstellung ist das laut Umweltbundesamt noch anders. Noch. Peugeot beispielsweise wird für das Jahr 2000 den ersten serienmäßigen PKW mit Partikelfilter auf den Markt bringen. Ohne Aufpreis. Stefan Rodt hofft auf einen "Dammbruch" durch den Peugeot-Vorstoß und darauf, dass die "deutschen Hersteller nachziehen" werden.

Bisher ist es vor allem die Industrie, die den Umweltfachleuten vorwirft, das angeblich höhere Krebsrisiko durch Dieselverbrennung sei nicht bewiesen. Stefan Rodt argumentiert hier so. Natürlich sei dies auch eine Frage der Perspektive. Wenn Inhalierungsversuche bei Tieren besorgniserregende Ergebnisse bringen, dann müsse man auch bei Menschen mit Gesundheitsschäden rechnen. "Wir müssen die aus den Tierversuchen abgeleiteten Wirkungsfaktoren auf den Menschen übertragen." Dieser Grundsatz werde aber nicht immer anerkannt. Die Industrie argumentiert, man könne die Ergebnisse erst dann verallgemeinern, wenn auch beim Menschen eindeutig ein erhöhtes Krebsrisiko nachgewiesen werde.

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