Politik : Was ihn betrifft (Kommentar)

apz

Menschen, die sich Ereignisse so vorstellen und sie dann auch so schildern können, als hätten sie tatsächlich stattgefunden, bezeichnet man als Eidetiker. Vielleicht ist Helmut Kohl ein Eidetiker. Vielleicht sagt er mit alledem, was er über die Spendenaffäre zeitversetzt äußert und wie er es in Zusammenhänge stellt, nicht bewusst die Unwahrheit - vielleicht ist er felsenfest davon überzeugt, dass es so gewesen ist und nicht anders. In einem "Focus"-Interview spricht er jetzt zum ersten Mal öffentlich darüber, dass "uns", also der CDU, im Wahljahr 1990 Barspenden übergeben worden seien. Nach landläufiger Meinung hätte er das eigentlich auch schon im November 1999 gewusst und gesagt haben müssen. War es ihm entfallen? Hatte er es verdrängt? Und wer hat das Geld denn wirklich entgegen genommen? "Uns" heißt nicht zwingend "mir", heißt nicht unbedingt Kohl persönlich. Oder doch? "Was mich betrifft", sagt der Ex-Kanzler. Meint er da sich als Empfänger oder als den, der sich an einen ihm geschilderten Vorgang erinnert? Vielleicht ist Helmut Kohl ja doch kein Eidetiker, sondern ein Mensch, der von der Wahrheit gerade einmal so viel herausrückt, wie er gerade für nützlich hält. Ein ganz normaler Beschuldigter eben.

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