Politik : Webseiten von Al Qaida abgeschaltet

US-Medien vermuten Cyberangriff.

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Washington - Die wichtigsten Internetseiten für die Kommunikation der Terrororganisation Al Qaida sind seit mehr als einer Woche „offline“. Das berichtet die „Washington Post“. Als wahrscheinliche Ursache meldet die Zeitung einen gezielten Cyberangriff eines bislang unbekannten Akteurs. Der Umfang und die Dauer der Unterbrechung lasse auf eine Sabotage schließen, hinter der eine Organisation mit großem Knowhow und beträchtlichen Ressourcen stecke. Die Verantwortlichen in der US-Regierung für solche Operationen hätten auf Anfrage mitgeteilt, sie seien nicht beteiligt, schreibt die „Washington Post“. Hintermänner von Al Qaida benutzten die betreffenden Diskussionsforen und Internetportale, um Anschläge zu feiern, ihre Botschaften zu verbreiten und potenzielle Anhänger zu motivieren. Noch nie habe es einen so lang anhaltenden Ausfall gegeben.

Als Beispiele nennt die Zeitung „Shumukh al Islam“ und vier weitere Webseiten. „Shumukh als Islam“ sei seit dem 22. März nicht mehr aufrufbar. Am Montag sei die Seite kurz online gewesen, aber rasch wieder verschwunden. Seither verspreche eine Nachricht, sie werde „so bald wie möglich wieder erreichbar“ sein. Auf einer anderen Internetseite, die Al Qaida zugeordnet wird, warnte der Administrator kürzlich vor „teuflischen Angriffen der Kreuzträger auf die medialen Burgen der heiligen Krieger“.

Über die Wirkung solcher Kommunikationsstörungen sind die Experten uneins. Die Hinterleute können relativ rasch auf andere Webseiten ausweichen. In diesem Fall sei allerdings zunächst ein deutlicher Rückgang des Austauschs zu verzeichnen, zitiert die Zeitung Evan Kohlmann von Flashpoint Global Partners. Die Firma beobachtet diese zumeist arabischen Internetforen. „Die sozialen Netzwerke der Dschihadisten sind derzeit unterbrochen“, sagt er.

Der längste ähnliche „Blackout“ zuvor war im Sommer 2010 auf den britischen Geheimdienst zurückzuführen. Er legte das „Al Falludscha“-Forum des Al- Qaida-Ablegers im Jemen sieben Tage lang lahm. Christoph von Marschall

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