Politik : Wechsel an Diakonie-Spitze: Stockmeier neuer Präsident

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Kassel - Das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat einen neuen Präsidenten: Bei einer außerordentlichen Sitzung in Kassel wählten die 82 anwesenden Mitglieder der Diakonischen Konferenz, der Mitgliederversammlung der Diakonie, den 62-jährigen badischen Theologen Johannes Stockmeier zum Nachfolger des zurückgetretenen Klaus-Dieter Kottnik.

Damit dürfte der 450 000 Mitarbeiter in 28 000 Einrichtungen zählende protestantische Sozialverband zurück in ruhigeres Fahrwasser finden, nachdem ein Skandal um Kottniks persönlichen Referenten das öffentliche Bild der Diakonie schwer beschädigt hatte. Der Mitarbeiter war zugleich stiller Teilhaber einer Beratungsfirma, die auch das Diakonische Werk der EKD beriet. Mittlerweile liegt dazu der Bericht einer unabhängigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft vor. Zwar habe es keine Korruption gegeben. Jedoch habe die Beratungsfirma ihr Auftragsvolumen um das zweieinhalbfache überschritten, ohne dass es einen neuen Auftrag gab. Nach Bekanntwerden der Verwicklungen seines Referenten war Kottnik aus „gesundheitlichen Gründen“ zurückgetreten.

Sein Nachfolger kündigte an, die Diakonie als „Label von Verlässlichkeit und Vertrauen“ neu profilieren zu wollen. Es sei „ganz klar“, dass es in der Aufarbeitung des Skandals um die Unternehmensberaterin „nichts zu vertuschen“ gibt. Auch andere Herausforderungen warten auf den Theologen, der zuvor Vorstandsvorsitzender der Diakonie Baden war. Viele Diakonie-Einrichtungen sehen sich einem harten Wettbewerb durch private Anbieter ausgesetzt. Zudem gibt es immer weniger öffentliche Fördermittel im Sozialbereich. Doch „Armut und die Anzahl prekärer Arbeitsverhältnisse wächst“, sagt Stockmeier. Mit „glasklaren Positionen“ wolle die Diakonie künftig als Anwalt der Armen präsent sein. Benjamin Lassiwe

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