Politik : Wechsel im Weißen Haus: Bush als neuer US-Präsident vereidigt

Mit einem Appell zur Gemeinsamkeit ist der Republikaner George W. Bush am Sonnabend als neuer Präsident der USA angetreten. Bush versprach schon vor seiner feierlichen Vereidigung als 43. Amtsinhaber in Washington, er wolle der Präsident aller Amerikaner werden, "selbst wenn sie mich nicht gewählt haben". Während die Bush-Ära begann, schloss sein Vorgänger Bill Clinton das dunkelste Kapitel seiner Amtszeit. Clinton entging kurz vor dem Ende seiner acht Jahre an der Spitze der Supermacht einer Anklage wegen Meineides in der Lewinsky-Affäre.

Als Gegenleistung an den Sonderstaatsanwalt Robert Ray räumte Clinton am Freitag in einer schriftlichen Erklärung ein, wissentlich falsche und irreführende Angaben über seine Beziehung zu der Ex-Hospitantin Monica Lewinsky gemacht zu haben.

Führende deutsche Politiker würdigten die Arbeit Clintons und gratulierten Bush zu seinem Amtsantritt. Bundespräsident Johannes Rau und Bundeskanzler Gerhard Schröder verwiesen auf die gute Zusammenarbeit in der Vergangenheit und versicherten, die USA hätten in Deutschland weiter einen verlässlichen Partner.

Schon am frühen Morgen zogen bei nasskaltem, ungemütlichem Wetter die ersten von Hunderttausenden erwarteter Zuschauer in die Washingtoner Innenstadt. Ein starkes Polizeiaufgebot war aufgezogen, um die bisher schärfsten Sicherheitsmaßnahmen bei einer Amtseinführung zu gewährleisten.

Geplante Höhepunkte waren die Vereidigung vor dem Kapitol und eine mehrstündige Parade auf der Pennsylvania Avenue hinunter zum Weißen Haus. Zum Auftakt des großen Tages nahm Bush mit seiner Frau Laura an einem Gottesdienst teil. In seiner kurzen, von ihm selbst auf etwa 13 Minuten Dauer geschätzten Antrittsrede wollte Bush über die "Größe Amerikas und die Hoffnungen des Landes" sprechen. Er werde die Zuhörer im Freien und an den Fernsehgeräten daran erinnern, dass er der Präsident aller Amerikaner sei, verriet Bush den Gästen eines Abendessens am Freitag. Er hatte die Wahl nur knapp mit 271 zu 267 Wahlmännerstimmen gegen den Demokraten Al Gore gewonnen, obwohl er rund 540 000 Wählerstimmen weniger erhalten hatte.

Angesichts des umstrittenen Wahlsieges planten Zehntausende von Demonstranten, sich am Rande der Amtseinführung Gehör zu verschaffen. Sie wollten unter anderem eine Wahlrechtsreform fordern und Front machen gegen die häufige Verhängung der Todesstrafe in Bushs Heimatstaat Texas, den er bisher als Gouverneur geführt hat.

Nach Befürchtungen der Polizei könnten sich auch Teilnehmer gewalttätiger Demonstrationen der jüngsten Zeit, wie der am Rande der WTO-Tagung in Seattle Ende 1999, einfinden. Zur Verhinderung von Ausschreitungen sollten am Samstag alle 3600 Polizeibeamten Washingtons und 1400 Kollegen aus umliegenden Bundesstaaten im Einsatz sein. Die Serie von Festen anlässlich des Amtswechsels hatte bereits am Donnerstag mit einem Großaufgebot an Stars mit einer Show am Lincoln Memorial begonnen. Am Freitag gab sich die neue First Lady und frühere Bibliothekarin ein Stelldichein mit Berühmtheiten der amerikanischen Literatur. Am Nachmittag stand ein Musikfestival im Zeichen von Amerikas Jugend. Bei einem "Texas-Ball" am Abend trugen die Gäste zum Smoking Cowboystiefel.

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