"Weimarer Dreieck" : Kaczynski sagt Gipfeltreffen ab

Der polnische Staatschef Lech Kaczynski hat ein geplantes Treffen mit Angela Merkel und Jacques Chirac kurzfristig abgesagt. Spekulationen über politische Gründe wurden von polnischer Seite dementiert.

Warschau/Berlin - Das polnische Präsidialamt hat die Annahme zurückgewiesen, Staatschef Lech Kaczynski habe das für Montag in Weimar geplante Gipfeltreffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac aus politischen Gründen abgesagt. Hintergrund der kurzfristigen Absage sei eine «vorübergehende Unpässlichkeit» Kaczynskis, die unglücklicherweise mit dem Treffen in Weimar zusammengefallen sei, sagte der außenpolitische Berater des polnischen Präsidenten, Andrzej Krawczyk, am Montag. Der für Montagmorgen geplante Gipfel des «Weimarer Dreiecks» war am Sonntagabend wegen einer Krankheit des polnischen Präsidenten verschoben worden.

Die Beziehungen zwischen den drei Politikern seien seines Wissens «sehr gut», betonte Krawczyk im Fernsehsender TVN24. «Alle drei waren auch sehr einverstanden mit dem Treffen.» Kaczynski habe das Präsidialamt am Sonntag nachmittag von seiner Krankheit informiert. «Aus Respekt für sein Recht auf ein Privatleben haben wir nicht gefragt, um welche Krankheit es sich handelt.»

Neuer Termin in der Schwebe

Der Präsident halte sich derzeit in seiner Privatwohnung in Danzig auf, wo er oft die Wochenenden verbringe, sagte Krawczyk weiter. Er wolle seine Amtsgeschäfte in zwei, drei Tagen wieder aufnehmen. Polen hatte vorgeschlagen, Premierminister Kazimierz Marcinkiewicz als Vertreter Kaczynskis zu schicken, aber Deutschland und Frankreich wollten lieber an der ursprünglichen Zusammensetzung festhalten. Krawczyk zufolge dürfte es wegen des sehr vollen Terminkalenders der zwei Staatschefs und der Bundeskanzlerin «schwierig» werden, schon bald einen neuen Termin zu finden. In drei bis acht Wochen sollte ein Treffen möglich sein.

Das Treffen am Montag sollte der sechste Gipfel dieser Art von Deutschland, Polen und Frankreich seit der Gründung des «Weimarer Dreiecks» werden. Die Vermutungen über anderweitige Gründe für die Absage Kaczynskis rührten unter anderem daher, dass er im Februar den Nutzen des «Weimarer Dreiecks» in Frage gestellt hatte.

Das «Weimarer Dreieck» verdankt seinen Namen einem Treffen der Außenminister der drei Länder 1991 in der Geburtsstadt Goethes. Die trilateralen Treffen auf höchster Ebene wurden vereinbart, um den damaligen EU-Kandidaten Polen in die Integrationsbemühungen der Europäischen Union und der Nato einzubeziehen. 2003 hatten die Meinungsverschiedenheiten um den Irak-Krieg die Beziehungen zwischen Berlin und Paris einerseits und Warschau andererseits erschwert. Polen unterstützte die USA, Deutschland und Frankreich lehnten ihn ab. (tso/AFP)

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