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Weitere Ermittlungs-Panne : BKA ging Hinweisen auf NSU-Tatwaffe nicht richtig nach

Nur halbherzig und unter falschen Annahmen sollen die Mitarbeiter des Bundeskriminalamtes nach der Tatwaffe in der NSU-Mordserie gefahndet haben. Die Ceska 83, ein tschechischen Spezialmodell galt schon 2004 als heiße Spur.

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Mit dieser schallgedämpften Pistole vom tschechischen Typ Ceska konnten Uwe B. und Uwe M. offenbar töten, ohne größere Spuren zu hinterlassen.
Mit dieser schallgedämpften Pistole vom tschechischen Typ Ceska konnten Uwe B. und Uwe M. offenbar töten, ohne größere Spuren zu...Foto: dapd

Bei den Ermittlungen zur Terrorserie des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) hat es offenbar eine weitere Panne gegeben. Das Bundeskriminalamt (BKA) habe eine heiße Spur zur Tatwaffe offenbar nur halbherzig verfolgt, kritisierten Obleute des NSU-Untersuchungsausschusses im Bundestag. Dem NSU werden zwischen 2000 und 2007 zehn Morde, an einer Polizistin und neun türkisch- und griechischstämmigen Kleinunternehmern vorgeworfen. Die neun Morde an den Unternehmern wurden mit einer Ceska 83 mit Schalldämpfer Kaliber 7.65 Millimeter verübt, einem tschechischen Spezialmodell.

„Es war eine heiße Spur bereits 2004. Das BKA hat sie kalt werden lassen“, sagte der Unions-Obmann Clemens Binninger (CDU). Von dieser Waffe gibt es nur wenige Exemplare und die Ermittler des Bundeskriminalamtes stießen früh auf einen Schweizer Waffenhändler. Die deutschen Ermittler baten ihre Schweizer Kollegen um Amtshilfe, nur schickten sie diese auf die falsche Spur. Sie forderten die Schweizer Sicherheitsbehörden auf, sich bei der Firma explizit nach türkischen Käufern

von Munition für dieses Waffenmodell zu erkundigen, weil sie von Auftragsmorden mit türkischem Hintergrund ausgingen und fälschlicherweise nicht von einer fremdenfeindlichen Tat. Auch einen Käufer der Pistole hatten die BKA-Beamten im Visier. Bei einer Befragung ließen sie sich aber von dem Schweizer Rentner mit fadenscheinigen Aussagen in die Irre leiten und verfolgten die Spur nicht weiter. Erst nach dem Auffliegen des NSU stellte sich heraus, dass die Waffe über genau diesen Mann und weitere Mittelsmänner in Deutschland zum NSU gelangt ist. 

Der Grünen-Obmann Wolfgang Wieland sagte, die Ermittler hätten wohl nach der verqueren Logik gehandelt, „dass Türken nur von Türken erschossen werden“. Das sei ein Trauerspiel. Werner Jung, Kriminalhauptkommissar und Mitarbeiter in der Ermittlungsgruppe "Ceska" des Bundeskriminalamtes sieht aber keine Versäumnisse seiner Behörde. Vor dem Untersuchungsausschuss sagte er: "Fehler haben wir keine gemacht."

Bildergalerie: Die Spur der Neonazi-Mörder

Die Spur der Neonazi-Mörder
November 2011: Nach Ermittlungen um einen missglückten Banküberfall in Arnstadt und ein explodiertes Wohnhaus in Zwickau sieht sich die Bundesrepublik erstmals seit der Wiedervereinigung mit rechtsextremem Terror in größerem Ausmaß konfrontiert. Schnell ist die Rede vom Jenaer Neonazi-Trio um Beate Z. (36), Uwe B. (34) und Uwe M. (38). Ihre Spur lässt sich bis in die 90er Jahre zurückverfolgen.Weitere Bilder anzeigen
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20.03.2013 13:59November 2011: Nach Ermittlungen um einen missglückten Banküberfall in Arnstadt und ein explodiertes Wohnhaus in Zwickau sieht...

Unterdessen stellte  Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) am Donnerstag Oberstaatsanwalt Dirk Feuerberg als neuen Sonderermittler vor,  der die „Aufklärung aller Fragen“ zur Mordserie sowie zur undurchsichtigen Rolle des Berliner V-Mannes Thomas S. mit Kontakten zum NSU übernehmen soll. Der 49-jährige Feuerberg, Abteilungsleiter für organisierte Rauschgiftkriminalität, sagte, „der Einsatz von Vertrauenspersonen“ sei auch bei Ermittlungen in der organisierten Kriminalität üblich ebenso wie „Kontakte mit der Bundesanwaltschaft“. Beides könnte auch zur Klärung des Vorwurfs gegen Henkel wichtig sein, dass dieser den Untersuchungsausschuss des Bundestages und das Berliner Parlament viel zu spät über den V-Mann des Berliner Landeskriminalamtes informiert habe. 

Aus Kreisen des Bundestagsuntersuchungsausschusses wurde am Donnerstag bekannt, dass man zwar an einem Sitzungstag für die Aufarbeitung der V-Mann-Affäre festhalte, Henkel da aber anders als noch vor einigen Tagen geplant nun voraussichtlich doch nicht als Zeuge befragen wolle. 

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