Weltkimabericht : Feilschen in Brüssel

Die Europäische Kommission hat die Klimapolitik der USA und Australiens erneut scharf kritisiert. Umweltkommissar Stavros Dimas forderte eine bessere Kooperation.

Brüssel - Die USA und Australien müssten das Kyoto-Protokoll zur Reduzierung der Treibhausgase endlich in nationales Recht umsetzen, sagte die Sprecherin von Dimas. Die USA und Australien halten sich bei den Beratungen zum zweiten Teil des neuen UN-Klimareports derweil mit scharfer Kritik zurück. Bis zu diesem Freitag suchen Experten und Regierungsvertreter aus rund 100 Ländern in Brüssel einen Kompromiss für den Bericht.

Vorwürfe aus Australien, die Forderung nach der Umsetzung des Kyoto-Protokolls sei eine Einmischung in innere Angelegenheiten des Landes, seien unangemessen, sagte die Dimas-Sprecherin. "Ohne eine globale Zusammenarbeit werden auch die besten Anstrengungen der EU nicht ausreichen, die schlimmsten Folgen des Klimawandels zu verhindern." Dimas hatte schon am Montag zum Auftakt der Verhandlungen in der belgischen Hauptstadt die Weigerung der USA und Australiens kritisiert, das Kyoto-Protokoll zu ratifizieren.

Um Kooperation bemüht

Von den Mitgliedern beider Delegationen war bei den Beratungen in Brüssel zunächst noch nicht viel zu hören. "Sie halten sich ziemlich bedeckt und vermeiden jede Blockadehaltung", wie Teilnehmer der Konferenz sagten. Den USA erscheine zum Beispiel eine Karte zum vorhergesagten Temperaturanstieg "zu rot". Sie wollten für geringe Erhöhungen als Farbe ein weniger alarmierendes Gelb.

Vom ersten Tag an sei es bei "harten Verhandlungen" in Brüssel zur Sache gegangen. Strittig war nach den Angaben auch, wie genau Sturzfluten in Bergregionen wegen schmelzender Gletscher und drohende Ernteausfälle in Indien und China vorhersehbar seien. Auch die Zuverlässigkeit wissenschaftlicher Erkenntnisse über Auswirkungen des schmelzenden Nordpol-Eises auf den Golfstrom und damit auf das Klima in Europa sei umstritten.

Schlappe für Bush

In dem Bericht will der Klimarat der Vereinten Nationen (IPCC, Intergovernmental Panel on Climate Change) die drohenden Folgen der Erderwärmung auf die Regionen der Erde beschreiben. Im ersten Teil hatten die Experten festgestellt, dass der Mensch mit sehr großer Wahrscheinlichkeit für den Klimawandel verantwortlich ist. Im dritten Teil sollen Möglichkeiten beschrieben werden, den Klimawandel zu stoppen. Nach den Planungen wird er im Mai in Bangkok präsentiert.

Unterdessen erlitt die Umweltpolitik von US-Präsident George W. Bush vor dem Obersten Gerichtshof der USA eine Niederlage. Das Gericht kritisierte am Montag in seinem ersten Urteil zum Klimawandel die bisherige Weigerung der US-Umweltbehörde, den Ausstoß von Treibhausgasen wie Kohlendioxid aus Fahrzeugen zu regeln. Nach dem Urteil sprachen Umweltverbände von einer historischen Entscheidung. Das Oberste Gericht sagte der Bush-Regierung außerdem zum ersten Mal, dass der Klimawandel eine real existierende Gefahr ist. (tso/dpa)

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