Wer ist Nicolas Maduro? : Der Gefolgsmann

Der neue Präsident in Venezuela ist der Wunschkandidat seines Vorgängers: Hugo Chavéz.

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Der Stellvertreter wird der Chef: Nicolas Maduro.
Der Stellvertreter wird der Chef: Nicolas Maduro.Foto: AFP

Eigentlich wollte er Musiker werden oder Baseballstar. Dann war er Bodyguard, Busfahrer und Gewerkschafter. Jetzt ist der 50-Jährige mit dem buschigen Schnauzbart Venezuelas Präsident. Früher wirkte er eher wie ein unbeholfener Teddybär. Doch in den vergangenen Monaten hat Nicolás Maduro viel dazugelernt. Immer wieder hat die bürgerliche Opposition über den fehlenden Universitätsabschluss des 1,90 Meter großen, kräftigen Venezolaners gelästert, seine Ignoranz und seinen Hang zum Kitsch. Doch Maduro hat bewiesen, dass er andere Qualitäten besitzt: eine ungezwungene Art, politische Durchsetzungsfähigkeit und vor allem Loyalität zu seinem Mentor Hugo Chávez. Kennengelernt haben sie sich nach Chávez’ gescheitertem Putsch 1992. Zusammen mit seiner neun Jahre älteren Frau, der späteren Parlamentspräsidentin Cilia Flores, besuchte er Chávez im Gefängnis. Die Sympathie war gegenseitig, doch im Gegensatz zu vielen anderen Weggefährten, die sich später mit Chávez überwarfen, ergab sich Maduro widerspruchslos der Führerschaft des acht Jahre Älteren. Im Kielwasser der chavistischen Revolution wurde Maduro ins Parlament gewählt und avancierte 2005 zum Parlamentspräsidenten – wobei er hinnahm, dass seine Frau Dutzende Verwandte auf die Gehaltsliste des Parlaments setzte. Ein Prozess gegen ihn wegen Bereicherung wurde eingestellt. 2006 ernannte ihn Chávez zum Außenminister. Im Oktober nach seiner Wiederwahl und den Tod schon im Nacken, machte er Maduro zum Vizepräsidenten, dem verfassungsmäßig die Nachfolge zusteht. Eine wichtige Rolle dabei dürfte auch Kuba gespielt haben, die Regierungen haben ein fast symbiotisches Verhältnis. Maduro studierte ein Jahr in Kuba; zu Raúl und Fidel Castro hat er einen guten Draht. Maduro ist kein charismatischer Redner, gilt aber als jovial und umgänglich. Seine Position wird durch den Einfluss auf die Justiz gestärkt: Seine Frau ist Generalstaatsanwältin.

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