• Westen fehlen Krippen, dem Osten Erzieherinnen Nur Bremens Kinder haben genügend Betreuung

Politik : Westen fehlen Krippen, dem Osten Erzieherinnen Nur Bremens Kinder haben genügend Betreuung

Studie: Bildung könnte auf der Strecke bleiben.

Früh übt sich ... Experten fordern Personal für frühkindliche Bildung. Foto: Gentsch/dpa
Früh übt sich ... Experten fordern Personal für frühkindliche Bildung. Foto: Gentsch/dpaFoto: dpa

Gütersloh - Westdeutschland hat nicht genügend Krippenplätze, der Osten des Landes dagegen nicht ausreichend Personal. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung, die am Donnerstag veröffentlicht wurde.

In den ostdeutschen Krippen muss eine Vollzeitkraft demnach im Schnitt sechs Kinder betreuen. Im Westen Deutschlands sieht es personell besser aus. Dort ist eine Krippenerzieherin statistisch für 3,7 Ganztagskinder verantwortlich. Die Stiftung empfiehlt für Krippengruppen einen Personalschlüssel von 1:3. Von allen Bundesländern wird dieser Wert annähernd nur in Bremen erreicht, wo rechnerisch eine Erzieherin für 3,1 Kinder verantwortlich ist. Die schlechteste Quote bei der Betreuung von unter Dreijährigen weist die Studie für Sachsen-Anhalt mit 1:6,5 aus. Gesamtdeutsch ergibt sich eine Quote von 1:4,5.

Der Länderreport „Frühkindliche Bildungssysteme“ hat für jedes Bundesland die Situation in den Kindertageseinrichtungen unter die Lupe genommen. „Der Westen hat nicht genug Krippenplätze, im Osten muss hauptsächlich mehr in Qualität investiert werden“, erklärte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung. Der Personalmangel sei die größte Hürde, wenn es ab August gelte, den Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz für Kinder ab dem ersten Lebensjahr einzulösen. Die Bertelsmann-Stiftung warnte vor negativen Folgen des Personalmangels für die frühkindliche Bildung. Bessere Personalschlüssel ermöglichten mehr Aktivitäten für die Kinder und förderten besser die sprachlich-kognitive und soziale Entwicklung. Für Berlin lagen keine Zahlen vor.

Kritik hatten die Experten auch am Konzept der stark altersgemischten Gruppen. Die Bildungschancen der unter Dreijährigen verschlechterten sich deutlich, wenn sie statt einer Krippe eine Gruppe besuchten, in der auch ältere Kinder betreut werden. Dazu gehören Gruppen für Kinder unter vier Jahren und altersübergreifende Gruppe bis zum Schuleintritt. In allen Fällen sei sowohl im Osten als auch im Westen die Personalausstattung ungünstiger als in reinen Krippengruppen. Die Jüngsten dürften „nicht zu kurz kommen“, warnte Dräger.

Kaum noch ein Problem ist laut Studie hingegen die Zahl der Kitaplätze für über Dreijährige. Weit voraus ist der Osten in der Ganztagsbetreuung. Fast drei Viertel (72 Prozent) aller Kinder dort besuchen mehr als 35 Stunden pro Woche eine Tageseinrichtung. Im Westen liegt dieser Anteil dagegen bei den unter Dreijährigen nur bei 43,6 Prozent. Bei den über Dreijährigen besucht sogar nur jedes dritte Kind (34,2 Prozent) im Westen ganztägig einen Kindergarten. AFP/KNA

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