Politik : Westerwelle und Gerhardt zeigen sich harmonisch

Robert Birnbaum

Berlin – FDP-Fraktionschef Wolfgang Gerhardt hat versichert, dass er nicht Parteichef werden will. FDP-Chef Guido Westerwelle hat Gerhardt versichert, dass er nicht Fraktionschef werden will. Dies alles zusammen hat Gerhardt versichert, nachdem am Montag die FDP-Fraktion – inklusive des Abgeordneten Westerwelle – praktisch ohne Änderungswünsche jenes Papier verabschiedet hat, das die ersten beiden Sätze überhaupt erst notwendig machte. Denn als Gerhardt sein 57-seitiges Programmmanifest vor gut zwei Wochen vorstellte, hatte das den Eindruck erweckt, da mache jemand ungewöhnlich weitreichende Ansprüche gegen seinen Parteichef geltend.

„Visitenkarte der Fraktion“ nennt Gerhardt das Papier jetzt, mit Betonung auf „Fraktion“ und der Klarstellung, dass dies „kein Wahlprogramm“ sei. Mit Westerwelle arbeite er gut zusammen; dass der ihn seinerzeit als Parteichef abgelöst habe, sei mit seinem Einverständnis geschehen: „Ich würde es heute wieder so machen“, sagt Gerhardt. Und Westerwelle werde bei der Bundestagswahl auch der Spitzenmann der FDP sein – mit anderen freilich in „wichtiger Rolle“ an seiner Seite.

Jenseits dieser formellen Positionierung allerdings scheint Gerhardt Gefallen daran gefunden zu haben, das von den Liberalen so gerne hochgehaltene Prinzip des Wettbewerbs auch parteiintern weiter anzuwenden. Wie die Aufgabenteilung zwischen ihm und Westerwelle aussehen soll? „So wie Sie uns wahrnehmen“, gibt der Fraktionschef zurück. Will heißen: Jeder sein eigener Mann mit eigenem Stil, eigener Sichtweise und eigener Behauptung. Was das bedeutet, ist dann gleich zu besichtigen. Die FDP, sagt Gerhardt, habe zu lange tatenlos zugesehen, wie die Grünen sich das Etikett der Bürgerrechtspartei angeheftet hätten. Das müsse man selbstkritisch eingestehen. Weshalb es ein Hauptziel seines Papiers gewesen sei, „die klassische FDP als Bürgerrechtspartei wieder zu profilieren“.

Eine Absicht, die sein Parteichef auch verfolgt; vorige Woche hat der angekündigt, dass der Parteitag im Mai die Bürgerrechte als ein inhaltliches Hauptthema haben solle. Nur hat Westerwelle nicht von der „klassischen FDP“ gesprochen. Von selbstkritischen Eingeständnissen dafür aber auch nicht.

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