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Westjordanland : Palästinenserpolizei tötet Neffen israelischer Ministerin

Blutvergießen am Pessach-Fest: Palästinensische Polizisten eröffnen das Feuer auf Juden, die das Josefsgrab bei Nablus besuchen wollten. Die hatten keine Genehmigung für den Besuch. Der Neffe der israelischen Bildungsministerin wird getötet.

In Jerusalem trauern orthodoxe Juden um das Opfer der Schießerei am Josefgrab bei Nablus.
In Jerusalem trauern orthodoxe Juden um das Opfer der Schießerei am Josefgrab bei Nablus.Foto: AFP

Palästinenserpolizisten haben am Sonntag beim Josefsgrab im nördlichen Westjordanland einen Israeli erschossen und vier weitere verletzt. Bei dem Toten handelte es sich nach israelischen Medienberichten um einen Neffen der israelischen Bildungsministerin Limor Livnat (Likud).

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu verurteilte am Sonntagabend den tödlichen Angriff bei Nablus. Die Autonomiebehörde müsse den Schützen zur Rechenschaft ziehen, forderte Netanjahu am Sonntag nach der Beerdigung des Opfers. An der Trauerfeier auf dem Ölberg in Jerusalem nahmen tausende Menschen teil.

Nach übereinstimmenden Berichten der Palästinenserbehörde und der israelischen Armee war die Gruppe religiöser Juden ohne Genehmigung zum Josefsgrab nahe der Palästinenserstadt Nablus gefahren. In der Nähe der heiligen Stätte kam es am frühen Morgen zu einer Auseinandersetzung mit der Palästinenserpolizei.

Die Polizisten hätten zunächst Warnschüsse abgegeben, erklärte der Gouverneur von Nablus, Dschibril Bakri. Als die Israelis sich nicht aufhalten ließen, eröffneten die Sicherheitskräfte das Feuer.
Es handele sich um ein Missverständnis und keinen Anschlag, sagte Bakri.

Jüdische Siedler im Westjordanland reagierten mit Racheaktionen auf den Vorfall in Nablus. Im Umkreis der Stadt bewarfen radikale Siedler palästinensische Autos mit Steinen. Dabei wurde ein 13-jähriger Palästinenser am Kopf verletzt. Auch bei Hebron im südlichen Westjordanland kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Siedlern und Palästinensern.

Repräsentanten beider Seiten bemühten sich um eine Klärung der genauen Umstände des Vorfalls. Aus israelischen Armeekreisen verlautete, das Blutvergießen hätte vermieden werden können, wenn der Besuch abgestimmt worden wäre. Die Armee bietet etwa jeden Monat gesicherte Ausflüge zu dem Josefsgrab an.

Das Josefsgrab liegt auf palästinensisch kontrolliertem Gebiet. Nach der Überlieferung ist es die letzte Ruhestätte des biblischen Patriarchen. Dem Fahrer des Wagens sei es nach dem Vorfall gelungen, eine nahe gelegene Militärbasis zu erreichen, sagte ein israelischer Militärsprecher.

Bei dem Toten handelte es sich um den 24-jährigen Ben Josef Livnat, einen vierfachen Vater aus Jerusalem. Bildungsministerin Livnat erklärte, sie sei "erschüttert über den mörderischen Anschlag" und den Tod ihres Neffen. Er habe lediglich anlässlich des jüdischen Pessach-Fests im Josefsgrab beten wollen und sei "auf kaltblütige und abscheuliche Weise ermordet worden". Auch Verteidigungsminister Ehud Barak verurteilte den Vorfall als Mord. Ein Mangel an Koordination könne keine Schüsse auf Unschuldige rechtfertigen, sagte er.

Am Josefsgrab war es in der Vergangenheit immer wieder zu gewaltsamen Zwischenfällen gekommen. 2003 eröffneten militante Palästinenser das Feuer auf eine Gruppe ultra-orthodoxer Israelis, als sie die heilige Stätte verlassen wollten. Sieben von ihnen wurden dabei verletzt. Im Oktober 2000 war mit Beginn des zweiten Palästinenseraufstands Intifada ein israelischer Polizist am Josefsgrab getötet worden. (dpa)

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