• Wie sicher sind Berlins U- und S-Bahnen?: Innensenator Henkel: "Es gibt keine absolute Sicherheit"

Wie sicher sind Berlins U- und S-Bahnen? : Innensenator Henkel: "Es gibt keine absolute Sicherheit"

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) über den Terror von Belgien, die Sicherheit im Nahverkehr und das Fußballspiel Deutschland gegen England am Samstag im Olympiastadion.

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Frank Henkel, Berlins Innensenator (CDU).
Frank Henkel, Berlins Innensenator (CDU).Foto: Mike Wolff

Herr Henkel, gehen Sie am Samstag unbesorgt ins Olympiastadion zum Spiel Deutschland gegen England?

Ja, ich werde mir das Spiel im Stadion anschauen. Ich hatte mich eigentlich sehr auf diesen Klassiker gefreut. Diese Vorfreude ist nach den Anschlägen natürlich getrübt. Es ist furchtbar, was in Brüssel passiert ist. Ein echter Albtraum.

Können die Fußballfans sicher sein, dass sie in Sicherheit sind?

Ich kann verstehen, wenn viele Menschen jetzt verunsichert sind. Solche Bilder und Nachrichten lassen niemanden kalt. Eine ähnliche Situation hatten wir auch nach den Anschlägen von Paris. Die Sicherheitsbehörden werden alles Menschenmögliche tun, damit die Zuschauer am Samstag sicher sind.

Haben Sie Hinweise auf eine erhöhte Terrorgefahr in Berlin?

Nein, aber die Gefahr ist unverändert hoch. Wir haben auch in Deutschland seit geraumer Zeit eine sehr ernst zu nehmende Bedrohungslage. Die Anschläge in Belgien und Frankreich richten sich gegen uns alle. Gegen unsere europäischen Werte, gegen Freiheit und Demokratie. Wir haben letztes Jahr in Paris gesehen, wozu diese Terroristen fähig sind. Diese Einschätzung bestätigt sich durch Brüssel. Wir müssen auch in Deutschland sehr wachsam bleiben.

Werden die Sicherheitsmaßnahmen nach den Brüsseler Anschlägen noch einmal verstärkt?

Die Maßnahmen wurden bereits nach den Anschlägen von Paris angepasst. Sie sind auf einem sehr hohen Niveau. Die Sicherheitsbehörden werden die Anschläge von Brüssel sorgfältig auswerten und ihre Schlüsse ziehen. Das betrifft auch das Länderspiel. Der DFB hat ja bereits angekündigt, sich mit den Sicherheitsbehörden zusammenzusetzen.

Der öffentliche Nahverkehr ist besonders schwer zu schützen. Was tun Sie für die Sicherheit in U- und S-Bahn?

Auch hier ist das Sicherheitsniveau sehr hoch. Die Berliner Polizei hat im vergangenen Jahr über 160 000 Einsatzkräftestunden in Bussen und Bahnen geleistet. Wir haben eine exzellente Ausstattung mit Videokameras. Aber zur Ehrlichkeit gehört auch, dass es absolute Sicherheit nicht gibt.

In Madrid, London, Brüssel und Paris sind in den vergangenen Jahren viele Menschen dem Terror zum Opfer gefallen. Hat Berlin bislang einfach nur Glück gehabt?

Unsere deutschen Sicherheitsbehörden tun alles, um dem Terror Einhalt zu gebieten. Unsere Geheimdienste arbeiten gut, unsere Polizei tut alles, was in ihrer Macht steht, wir gehen jedem Hinweis nach. Am Ende kommen aber immer auch Faktoren hinzu, die wir nicht beeinflussen können.

Die Attentäter von Paris kamen aus Belgien, einer der führenden Köpfe konnte dort erst vergangene Woche festgenommen werden. Haben die belgischen Sicherheitsbehörden versagt?

Das kann ich aus der Ferne gar nicht beurteilen. Und ich halte auch nichts davon, nach Sündenbocken zu suchen, während in Brüssel noch die Krankenwagen im Einsatz sind. Unsere Energie sollte sich auf diejenigen konzentrieren, die für diese Taten verantwortlich sind, auf die Terroristen. Wir müssen nach solchen furchtbaren Tragödien aufstehen und weitermachen. Unser offenes Europa wird angegriffen, und dieses Europa müssen wir verteidigen.

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