Politik : Wie viel DDR-Karriere darf sein?

Matthias Schlegel

Berlin/Magdeburg - Manchmal können weit zurückliegende biografische Details über das Schicksal eines Menschen bestimmen. Ob einer angibt, zu DDR-Zeiten Politikwissenschaft (was es damals gar nicht gab) studiert zu haben, oder ob er tatsächlich Gesellschaftswissenschaften an einer Offiziersschule mit dem Berufsziel Politoffizier belegte, das macht einen erheblichen Unterschied. Und wenn dieser Mann auch mit seiner 13-monatigen SED-Mitgliedschaft hinterm Berg hält, qualifiziert ihn das nicht unbedingt für das Spitzenamt einer Landes-SPD. Selten hat eine Personalie in Sachsen-Anhalt so viel Aufsehen erregt wie die Wahl des neuen SPD-Vorsitzenden. Auf dem Landesparteitag in Aschersleben wird an diesem Freitag über zwei Kandidaten abgestimmt: den 36-jährigen Zerbster Landrat Holger Hövelmann und den 50-jährigen ehemaligen Magdeburger Regierungspräsidenten Gerhard Miesterfeldt. Der Ausgang ist völlig offen.

Im Sommer noch sah Hövelmann wie der neue Hoffnungsträger der Partei aus. Der Landesvorstand hatte den erfolgreichen Kommunalpolitiker, der 1993 in die SPD eingetreten war und mehrere Jahre in Diensten der Gewerkschaft stand, für die Nachfolge von Manfred Püchel nominiert. Dieser war kurz nach dem Desaster der SPD bei den Kommunalwahlen im Juni als Partei- und Fraktionschef zurückgetreten. Wenig später ging bei der Partei eine E-Mail ein, in der jemand sehr detailliert Hövelmanns Lebenslauf nachzeichnete – deutlich präziser als der seine Vita bei der Vorstellung im Vorstand beschrieben hatte. Der Kandidat beeilte sich zu versichern, er sei davon ausgegangen, dass diese Daten bekannt seien, schließlich habe er daraus nie einen Hehl gemacht. Verbündete aus seinem Umfeld bestätigten dies. Doch Püchel und der neue SPD-Fraktionschef Jens Bullerjahn zeigten sich befremdet. In der Landes-SPD entbrannte eine Debatte über Vertrauen und Offenheit sowie darüber, wie viel DDR-Karriere einem Parteiamt zuzumuten ist. Im August sprang der Theologe, Ex-Landrat und Regierungspräsident Gerhard Miesterfeldt in die Bresche. Der Kreisvorstand Stendal nominierte ihn angesichts der Diskussionen um Hövelmann als einen Kandidaten, der „fest in der Mitte der Partei verankert“ sei.

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