Politik : Wieder Lecks in schwedischen Atomkraftwerken

Vattenfall musste erneut einen Reaktor abschalten / Aufsichtsbehörde kritisiert erstmals Betreiber

André Anwar[Stockholm]

Wegen eines „kleineren Lecks“ musste der schwedische Energiekonzern Vattenfall am Freitag schon wieder ein Atomkraftwerk abschalten. Dieses Mal handelte es sich um das in Südwestschweden liegende Akw Ringhals. Der Konzern bezeichnete die Abschaltung als „vorbeugende Sicherheitsmaßnahme“. „Das hier ist nichts Ernstes“, sagte Vattenfall-Produktionschef Lars Eliasson. Ringhals ist das größte Atomkraftwerk in Skandinavien und deckt 18 Prozent des schwedischen Strombedarfs. Wann der Reaktor wieder in Gang kommt, ist unklar.

Mit einer geradezu absurden Pannenserie muss sich der Konzern in der schwedischen Öffentlichkeit verantworten. Vattenfall gibt inzwischen auch Fehler beim Management zu. Der Direktor des Krisen-Akw Forsmark musste bereits gehen. Bisher zeigte die Reaktorsicherheitsbehörde (SKI) Geduld mit dem staatlichen Energiekonzern. Der SKI wurde deshalb vorgeworfen, sie trage Mitschuld am Verfall der Sicherheitskultur. Nun schlägt die Behörde härtere Töne an. So soll es nach Angaben der Behörde nach einer Panne am Kühlsystem in Ringhals 13 Tage gedauert haben, bis das Personal den Reaktor stoppte, obwohl niemand genau wusste, was die Störung verursachte.

An diesem Freitag wurde zusätzlich von einem Leck im Akw Oskarshamn berichtet. Kleinere Mengen Radioaktivität seien im Wasser einer Rohrleitung entdeckt worden. Eine ernste Gefahr bestehe nicht, aber es sei nicht zufrieden stellend, „dass radioaktive Stoffe an einer Stelle entdeckt werden, wo man sie nicht erwartet“, sagte der dortige Strahlenschutzbeauftragte Christer Solstrand. Das in Südostschweden liegende Akw Oskarshamn wird vom OKG-Konzern betrieben.

Schweden hatte in einer Volksabstimmung 1979 beschlossen, schrittweise aus der Atomenergie auszusteigen. Doch dieser Ausstieg wurde in den 90er Jahren infrage gestellt.

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