Politik : Wieder Unruhen in Pariser Vorort

Albrecht Meier

Berlin - Zum vierten Mal in Folge haben sich Jugendliche und Polizisten in der Nacht zum Montag in dem Pariser Problem-Vorort Clichy-sous-Bois heftige Auseinandersetzungen geliefert. Die Politik ist von der urplötzlich auflodernden Gewalt alarmiert: Frankreichs Innenminister Nicolas Sarkozy kündigte an, künftig jede Woche einmal „vor Ort“ sein zu wollen – in einem der sozialen Brennpunkte, die es unter anderem in den Außenbezirken von Paris und Lyon gibt. Am Montag wollte Sarkozy mit den Eltern der beiden Jungen sprechen, die am Donnerstag in Clichy-sous-Bois ums Leben kamen. Die Hinterbliebenen lehnten aber ein solches Gespräch ab.

Der Unfalltod des 17-jährigen Zied und des 15-jährigen Bouna hatte Jugendliche überwiegend afrikanischer Herkunft in Clichy-sous-Bois auf die Barrikaden gebracht. Die beiden Jungen wollten sich in einem Transformatorenhäuschen verstecken, weil sie glaubten, die Polizei sei hinter ihnen her. An dem Transformator erlitten sie tödliche Stromschläge. Die Menschen in dem Problemviertel geben der Polizei die Schuld an dem Tod der Jungen. Bei seinem Besuch im Departement Seine-Saint-Denis lobte Innenminister Sarkozy am Montag hingegen ausdrücklich die „Professionalität“ der Polizei. Die Stimmung in dem Pariser Vorort ist zusätzlich aufgeheizt, seit am Sonntagabend dort eine Tränengas-Granate in einer Moschee explodierte. Über solche Granaten verfügt auch die nationale Bereitschaftspolizei CRS.

Für Sarkozy stellen die Unruhen eine weitere Bewährungsprobe auf dem Weg zu einer möglichen Präsidentschaftskandidatur im Jahr 2007 dar. Erst in der vergangenen Woche hatte er sich überraschend dafür eingesetzt, das kommunale Wahlrecht ab sofort auch auf Einwanderer auszudehnen.

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