Politik : Wieder zwei Deutsche im Irak entführt

Mutter und Sohn in Bagdad verschleppt / Geiselnehmer drohen mit Erschießung des Mannes

Frank Jansen

Berlin - Im Irak sind zum dritten Mal deutsche Staatsbürger entführt worden. Bewaffnete Geiselnehmer hätten vergangenen Dienstag in Bagdad eine Mutter und den Sohn aus ihrem Wohnhaus in Bagdad verschleppt, erfuhr der Tagesspiegel am Montag aus Sicherheitskreisen. Die über 60 Jahre alte Frau sei mit einem irakischen Arzt verheiratet. Der Sohn, Mitte 20, sei im irakischen Außenministerium tätig. Mitglieder der Familie leben nach Angaben der Sicherheitskreise in Berlin und anderen Regionen Deutschlands. Die Kidnapper hätten sich offenbar direkt an Familienmitglieder gewandt. Der Hintergrund der Entführung sei unklar, die Geiselnehmer hätten bislang keine Forderung gestellt. Allerdings sei gedroht worden, den Sohn zu erschießen.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier äußerte sich am Montag zurückhaltend. Es sei nicht auszuschließen, „dass es sich um eine gewaltsame Entführung handelt“. Sicherheitskreise bestätigten aber die Geiselnahme. Im Auswärtigen Amt (AA) arbeitet seit vergangener Woche ein Krisenstab, den Staatssekretär Reinhard Silberberg leitet.

Nach Informationen des Tagesspiegels sollen die Frau und der Sohn körperlich unversehrt sein. Die Geiselnehmer haben die beiden wahrscheinlich gezielt aus ihrem Haus geholt. Der Ehemann und Vater habe sich zum diesem Zeitpunkt nicht dort befunden, verlautete aus Sicherheitskreisen. Die Familie gilt, für irakische Verhältnisse, als vermögend. Doch ist offen, ob es den Entführern nur um Lösegeld geht, ob sie ein politisches Motiv haben oder ob Terroristen Geld erpressen wollen, um ihren Kampf zu finanzieren.

In Sicherheitskreisen gab es unterschiedliche Angaben über den möglichen Hintergrund der Entführer. Von mutmaßlichen Anhängern des hingerichteten Diktators Saddam Hussein war die Rede, aber auch ein Netzwerk aus früheren Parteigängern des von der US-Armee beseitigten Regimes und Islamisten wird nicht ausgeschlossen. Als unwahrscheinlich gilt eine Beteiligung schiitischer Extremisten. Sie sind mit der sunnitischen Terrorszene verfeindet.

Das AA bat die Medien um eine zurückhaltende Berichterstattung. Die Kontakte in den Irak dürften nicht durch Spekulationen erschwert werden. In der Vergangenheit ging die Entführung von Deutschen in dem Land glimpflich aus. Die Archäologin Susanne Osthoff kam im Dezember 2005 nach drei Wochen frei. Von Januar 2006 bis Mai hatten Geiselnehmer die sächsischen Ingenieure René Bräunlich und Thomas Nitzschke in ihrer Gewalt.

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben