Politik : Wiedergewählter Clinton wirbt um Republikaner

US-Präsident muß weiter mit Mehrheit der politischen Gegner im Kongreß auskommen Little Rock (Tsp).Der mit großem Vorsprung vor seinem Herausforderer Bob Dole wiedergewählte US-Präsident Bill Clinton sucht für die zweite Amtszeit die Unterstützung der Republikaner, die im Kongreß weiter die Mehrheit halten.Clinton, der als erster Demokrat seit 60 Jahren wiedergewählt wurde, steckte vor seinen jubelnden Anhängern in Little Rock die Marschroute ab: "Laßt die Politik des Streits beiseite und baut zusammen an Amerikas Gemeinschaft." Staatsmänner in aller Welt begrüßten die Wiederwahl.Die Weltbörsen reagierten mit steigenden Aktienkursen, der Dollar zog ebenfalls an. Nach vorläufigen Ergebnissen stimmten etwa 50 Prozent der amerikanischen Wähler für Clinton und rund 41,5 Prozent für Dole.Beim Stand von 98 Prozent Auszählung aller Stimmen hatte Clinton 379 der 538 Wahlmänner in den 50 Einzelstaaten für sich gewonnen.Dole kam auf 159 Wahlmänner.Clinton gewann in 31 Bundesstaaten, darunter Kalifornien mit 54 Wahlmännern, New York mit 33 Wahlmännern und Florida mit 25 Wahlmännern sowie in Washington D.C..Für Dole gab es eine Mehrheit in 19 Bundesstaaten, darunter Texas mit 32 Wahlmännern.Auf den texanischen Kandidaten der Reformpartei, den Milliardär Ross Perot, entfielen acht bis neun Prozent.Die Wahlbeteiligung sank auf 49 Prozent, die niedrigste seit 1924.200 Millionen Menschen waren wahlberechtigt.Wie bei den Kongreßwahlen behaupteten auch die republikanischen Gouverneure (32) ihre Überlegenheit gegenüber den Demokraten (17). Bill Clinton, der mindestens 50 Prozent der Stimmen hatte erringen wollen, um über Parteigrenzen hinaus arbeiten zu können, übersprang die für den Sieg nötige magische Zahl von 270 Wahlmännern schon kurz nach neun Uhr Ostküstenzeit - als die Wahlkabinen im Westen noch lange offen waren.Die zweite Amtseinführung Clintons ist für den 21.Januar vorgesehen.Für die Wiederwahl waren nach Wählerbefragungen die guten Wirtschaftsdaten ausschlaggebend. Nach dem Sieg rief Clinton die Amerikaner zur Einigkeit auf.Er werde sein Bestes tun, das Land ins 21.Jahrhundert zu führen."Unsere besten Tage liegen vor uns", sagte er in seinem Heimatstaat Arkansas vor Zehntausenden Menschen.Er bekräftigte, daß er seine Politik des staatlichen Defizitabbaus fortsetzen und gleichzeitig soziale Leistungen für Bedürftige verteidigen werde.Er dankte seinem Rivalen Dole für seinen Einsatz im Dienst der USA und seine kämpferische Kampagne bis zum allerletzten Augenblick.Clintons Stabschef Panetta betonte, zunächst müsse im Etatstreit ein Kompromiß gefunden werden.Er schloß nicht aus, daß Republikaner in die Regierung aufgenommen werden. Zuvor hatte Dole mit Humor seine Niederlage eingestanden."Ich dachte, als ich im Fahrstuhl herunterfuhr, daß morgen der erste Tag in meinem Leben sein wird, an dem ich nichts zu tun habe", sagte der 73jährige in Washington.Er war im Sommer als Mehrheitsführer des US-Senats zurückgetreten. Staatsmänner in aller Welt verbanden ihre Glückwünsche mit Erwartungen auf weiterhin gute Beziehungen mit den USA.Regierung und Opposition in Bonn begrüßten Clintons Wiederwahl als Chance für den Ausbau der transatlantischen Partnerschaft.Bundespräsident Herzog äußerte sich zuversichtlich, daß das "starke Fundament" der deutsch-amerikanischen Freundschaft erhalten bleibe.Ein Sprecher des Außenministeriums in Moskau äußerte als "persönliche Meinung", unter Clinton sei die Partnerschaft von "einer Entwicklungsphase in eine Reifephase" getreten.China sprach von einer "guten Gelegenheit für eine Verbesserung und Ausweitung der Beziehungen".

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