Wikileaks-Gründer : Schweden dürfen Assange in Ecuadors Botschaft in London verhören

Der Wikileaks-Gründer Julian Assange kann bald in der ecuadorianischen Botschaft in London von der schwedischen Justiz befragt werden. Ecuador stimmte dem nun zu.

Julian Assange - hier im Februar - lebt seit vier Jahren in der Botschaft.
Julian Assange - hier im Februar - lebt seit vier Jahren in der Botschaft.Foto: REUTERS

Nach langem Tauziehen dürfen schwedische Staatsanwälte den Wikileaks-Gründer Julian Assange in Ecuadors Botschaft in London zu einem Vergewaltigungsvorwurf befragen. Die ecuadorianischen Behörden hätten einem Verhör zu dem Vorwurf aus dem Jahr 2010 zugestimmt, sagte eine Sprecherin der Anklage am Donnerstag.

Weitere Vorwürfe sexueller Belästigung gegen den Australier waren im vergangenen Sommer verjährt. Ein Datum für das Verhör solle bestimmt werden, sobald Chefanklägerin Marianne Ny aus dem Urlaub zurückgekehrt sei.

Um das Verhör hatten die Schweden sich nach eigenen Angaben seit über einem Jahr bemüht. Einen ersten Antrag hatte Ecuador demnach aus formalen Gründen abgelehnt.

Nachdem ihn eine Schwedin angezeigt hatte, wurde 2010 ein europäischer Haftbefehl gegen Assange erlassen. Der 45-jährige Australier sagt, es habe sich um einvernehmlichen Sex gehandelt, die Anschuldigungen weist er als politisch motiviert zurück. Am Dienstag ging er gegen die Entscheidung eines schwedischen Bezirksgerichts in Berufung, den Haftbefehl aufrechtzuerhalten.

Assange hatte sich 2012 in die diplomatische Vertretung begeben, nachdem er in Großbritannien alle Rechtsmittel gegen einen Antrag Schwedens auf seine Auslieferung ausgeschöpft hatte. Seitdem lebt er im Botschaftsgebäude auf beengtem Raum mit Bett, Computer und Balkonzugang.

Sollte der Wikileaks-Gründer das Botschaftsgelände verlassen, will ihn die britische Polizei festnehmen und an Schweden überstellen. Für diesen Fall befürchtet Assange, von den schwedischen Behörden an die USA ausgeliefert zu werden, wo ihm wegen Geheimnisverrats eine langjährige Haftstrafe und möglicherweise sogar die Todesstrafe droht. (dpa/AFP)

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