Politik : "Wir haben riesigen Nachholbedarf" - Frauen feiern unter sich

Claudia von Salzen

Üblicherweise verkünde am politischen Aschermittwoch ein einziger Redner - seltener eine Rednerin - parteipolitische Botschaften, erklärte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ursula Engelen-Kefer. In diesem Jahr fielen Aschermittwoch und Internationaler Frauentag zusammen, und so lud der DGB zum Frauenpolitischen Aschermittwoch. "Hier kommen Frauen aus verschiedenen Parteien, Verbänden und Generationen ins Gespräch", sagte Engelen-Kefer. "Damit haben wir hoffentlich ein neues Zeitalter des politischen Aschermittwochs eingeleitet." Über die "künftige Verteilung von Arbeit, Macht und Einkommen" diskutierten die Ministerinnen Christine Bergmann, Hertha Däubler-Gmelin und Andrea Fischer, die Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts, Jutta Limbach, und Frauen aus Gewerkschaften und kirchlichen Organisationen.

Zwar hätten die Frauen schon viel erreicht, doch am Ziel seien sie noch lange nicht, waren sich die Rednerinnen einig. Auch heute müssten Frauen immer noch doppelt so qualifiziert sein wie Männer, um eine bestimmte Position zu bekommen, sagte Jutta Limbach. "Man kann sagen, dass Gleichberechtigung dann in die Tat umgesetzt ist, wenn eine dumme Frau dasselbe erreichen kann wie ein dummer Mann" - dies quittierte das weibliche Publikum mit schallendem Gelächter.

Bundesfrauenministerin Christine Bergmann kritisierte ein noch immer allzu traditionelles Rollenverständnis. "Im Vergleich zu anderen Ländern haben wir riesigen Nachholbedarf", sagte sie. Die Rednerinnen forderten mehr Chancengleichheit für Frauen und bessere Möglichkeiten zur Kinderbetreuung. Auch die Väter müssten stärker in die Pflicht genommen werden und sich an der Erziehungszeit beteiligen. Einigkeit bestand auch darüber, dass Frauen sich über die Grenzen von Parteien und Institutionen hinweg für Gleichberechtigung einsetzen müssten. "Wir brauchen Frauensolidarität", sagte Limbach.

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