Politik : …wir waschen lassen

-

Heute ist Sonnabend. In Bayern heißt dieser Tag aus noch undurchsichtigen Gründen Samstag. Er ist dennoch von Bedeutung, zumal es sich dabei um den Tag handelt, an dem dort letztmals in der Woche ordnungsgemäßes Autowaschen möglich ist. Das hat, wie manches Regelwerk, das im Zusammenhang mit dem Automobil aufgestellt wurde, seinen durchaus christlichen Sinn. Geht es doch, kurz gesagt, ganz ähnlich wie beim Zebrastreifen, darum, den rechten Pfad zu finden. Sonntags sollte der in Bayern direktemang in die Kirche führen und nicht etwa in die Waschanlage.

Leider gibt es innerhalb der bayerischen Staatspartei CSU Tendenzen, das im Freistaat am siebten Tag der Woche praktizierte Betriebsverbot für Autowaschanlagen aufzuheben. Winfried Röhmel, Sprecher des Erzbischöflichen Ordinariats in München, hat das nun in eindringlichen Worten gegeißelt. Der Gottesmann kritisierte das „ständige Aufweichen“ des gesetzlich geschützten Sonntags, wobei uns „Aufweichen“ in diesem Zusammenhang eine geschickt eingesetzte Metapher zu sein scheint. „Das fängt mit Autowaschanlagen an und hört mit ganz anderen Dingen auf“, hat Röhmel noch gesagt, und wir möchten uns hier das Ausmaß des aufgeweichten Sonntags in Bayern lieber gar nicht erst vorstellen.

Man könnte nun, sonnabends und von Berlin aus, mit einiger Berechtigung sagen: Schwamm drüber! – wenn, ja wenn die Zeiten anders wären und das ewig Weltliche in der automobilisierten Gesellschaft sich nicht schon seinen Weg gebahnt hätte, wie das Wasser in der Waschanlage. Nicht wenige Bayern umfahren nämlich das sonntägliche Betriebsverbot eher weiträumig und tanken, waschen, rasten stattdessen im angrenzenden Österreich. Ein regelrechter „Tank und Waschanlagentourismus“ ist entstanden – so dass es, wohl wegen der Langsamkeit der Ösis und der daraus resultierenden Warteschlangen dann größeren Bevölkerungsgruppen nicht mehr möglich ist, rechtzeitig zur Predigt zurück zu sein. Auch das könnte uns vornehmlich an globalen Themen interessierten Weltbürgern sehr egal sein, wenn, ja wenn an dieser Stelle nicht Josef Pröll ins Spiel käme.

Pröll ist Umweltminister in Österreich. Er hat Schwierigkeiten mit der Umsetzung des Kyoto-Protokolls. Zuviel Treibhausgas umnebelt den Alpenstaat. Pröll will nun den „Tanktourismus“ in die Klimabilanz einrechnen. Heraus käme ein Ergebnis, das sich gewaschen hat. Vbn

0 Kommentare

Neuester Kommentar