• Wirtschaftlicher Schaden durch Tabakkonsum: Studie: Raucher kosten jährlich 80 Milliarden Euro

Wirtschaftlicher Schaden durch Tabakkonsum : Studie: Raucher kosten jährlich 80 Milliarden Euro

Rauchen verursacht in Deutschland laut einer Studie einen weit größeren wirtschaftlichen Schaden als angenommen. Und auch das Gerücht, dass Raucher die Rentenkasse durch ihren früheren Tod entlasten, ist falsch.

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Ein Raucher wie der Sänger Udo Lindenberg verursacht Kosten in Höhe von durchschnittlich 90 483 Euro, eine Raucherin sogar 529 481 Euro.
Ein Raucher wie der Sänger Udo Lindenberg verursacht Kosten in Höhe von durchschnittlich 90 483 Euro, eine Raucherin sogar 529 481...Foto: dpa

Raucher verursachen in Deutschland offenbar einen weit größeren wirtschaftlichen Schaden als bisher angenommen. Eine aktuelle Studie des Deutschen Krebsforschungszentrum beziffert die direkten und indirekten Kosten des Tabakkonsums auf knapp 80 Milliarden Euro pro Jahr – 2,8 Prozent des Bruttoinlandprodukts. Und vor allem räumt sie mit einem Mythos auf: Raucher entlasten die Rentenkasse nicht durch früheren Tod, sondern belasten sie, weil sie früher in Rente müssen und wegen niedrigerer Einkommen auch weniger einzahlen.

Die Kostenvergleichsstudie des Hamburger Wirtschaftswissenschaftlers Tobias Effertz, über die bislang nur die Ärzte-Zeitung berichtete, beruht auf den Daten von mehr als 145.000 Versicherten der Techniker Krankenkasse aus den Jahren 2008 bis 2012. Sie beziffert die direkten jährlichen Kosten des Rauchens auf 25,4 Milliarden Euro. Der Großteil fließt mit 22,76 Milliarden in die Krankenbehandlung. Den Rest verschlingen Ausgaben für Rehabilitation, Pflege und die Kosten für durch Unfälle mit Personenschaden. 1,2 Milliarden Euro kostet zudem die Behandlung von tabakbedingten Erkrankungen bei Passivrauchern.

Eine lebenslange Raucherin verursacht Schäden von mehr als einer halben Million Euro

Insgesamt kostet ein lebenslanger Raucher der Studie zufolge allein die gesetzliche Krankenversicherung bis zu seinem Tod 90 483 Euro. Eine lebenslange Raucherin - zugrunde gelegt ist jeweils ein Beginn mit 15 Jahren - verursacht wegen deutlich geringerer Beitragszahlungen und längerer Lebenserwartung unterm Strich sogar Krankenkassen-Kosten in Höhe von 529 481 Euro.

Die indirekten Kosten liegen mit 53,7 Milliarden mehr als doppelt so hoch. Arbeitsunfähigkeit oder Erwerbsminderung schlügen mit 12,1 Milliarden Euro zu Buche, heißt es in der Berechnung. Ausfälle durch Arbeitslosigkeit, Pflegebedürftigkeit und Reha kosteten 21,8 Milliarden.

Einige Folgekosten sind noch gar nicht berücksichtigt

Dabei ist die Auflistung noch nicht einmal vollständig. Der durch Tabakkonsum bedingte Verlust an Lebensjahren, in denen keine Produktivleistungen erbracht werden, ist in der Rechnung beispielsweise nicht berücksichtigt. Und auch anderweitige direkte Folgekosten durch Rauchschäden, Unfälle ohne Personenschaden, Müllbeseitigungskosten für Zigarettenkippen und Asche sowie Brände aufgrund weggeworfener Zigaretten bleiben außen vor.

Raucher sterben der Studie zufolge drei Jahre früher als Nichtraucher – das ist weniger als bislang angenommen. Es liegt vor allem daran, dass tabakbedingte Erkrankungen inzwischen früher erkannt und besser behandelt werden. Raucher verdienen aber auch - mittelbar durch Krankheit verursacht - pro Monat im Schnitt 200 Euro weniger als Nichtraucher, zahlen dadurch also niedrigere Sozialbeiträge. Und sie gehen drei bis vier Jahre früher in Rente – männliche Raucher im Schnitt mit 58, Raucherinnen mit 62 Jahren.

Die Schachtel Zigaretten müsste 11,30 Euro kosten

Frühere Berechnungen, an denen Effertz ebenfalls beteiligt war, bezifferten die Kosten des Rauchens für das Gesundheitssystem für 2007 auf lediglich 8,7 Milliarden Euro - also nur ein Drittel der jetzt ermittelten Summe. Bisher war man auch von geringeren Lasten ausgegangen, weil nur "bekannte" und schwerste Folgeerkrankungen wie Krebs, Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Schäden in Rechnung gestellt wurden.

Um die direkten Kosten für die Allgemeinheit auszugleichen, müsste die Schachtel Zigaretten 7,80 statt fünf Euro kosten, heißt es in der Studie. Sämtliche Folgekosten wären erst mit 11,30 Euro kompensiert – und natürlich auch nur, wenn die Erhöhung komplett den Sozialkassen zugute käme.

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