Wirtschaftskrise : Vermögende wollen freiwillig Sonderabgabe leisten

In den kommenden Jahren erwarten den Staat Steuerausfälle von rund 320 Milliarden Euro, die Neuverschuldung steigt sprunghaft. Nun fordert eine Gruppe Wohlhabender die Regierung auf, sie in der Wirtschaftskrise stärker in die Pflicht zu nehmen.

Cordula Eubel

Berlin„Wir haben mehr, als wir zum Leben brauchen“, sagt Bruno Haas. Der Philosoph aus Berlin hat einen Anteil aus einem Familienunternehmen geerbt und verfügt daher mit Anfang 30 über ein Vermögen von mehr als 500 000 Euro. Gemeinsam mit einer Gruppe Wohlhabender fordert er die Politik auf, Personen mit einem Vermögen von über 500 000 Euro in den Jahren 2009 und 2010 zu einer Abgabe von fünf Prozent auf ihr darüber hinaus gehendes Vermögen zu verpflichten. „Stärkere Schultern sollen auch mehr tragen“,sagt Haas.

Mit der Abgabe, die geschätzt 50 Milliarden Euro bringen könnte, sollen Investitionen in Bildung, Soziales und Ökologie finanziert sowie die Regelsätze für Hartz IV und fürs Bafög erhöht werden. Danach soll die bis 1997 erhobene Vermögensteuer wieder erhoben werden. 23 Personen haben den Appell bislang unterzeichnet.

Es sei keine Initiative von Prominenten, erläutert Haas, sondern es handele sich sozusagen „um die Vermögenden von nebenan“. Davon gebe es „mehr, als man so denkt“. Laut Daten des Sozioökonomischen Panels hatten 2002 mehr als 2,2 Millionen Haushalte in Deutschland ein Nettovermögen von mehr als 500 000 Euro. „Wir sind keine naiven Spinner“, sagt Dieter Lehmkuhl. „Es verletzt unser Gefühl für Gerechtigkeit, wenn nur diejenigen die Zeche für die Krise zahlen müssen, die sie nicht verursacht haben.“ Durch die vergangenen Steuerreformen seien vor allem Wohlhabende begünstigt worden, sagt der Arzt im Ruhestand. Er rechnet vor, dass sich sein Vermögen zwischen 2000 und 2007 um 25 Prozent vermehrt habe, während sich die gezahlten Steuern halbiert hätten. Sein Mitstreiter Haas kritisiert, es gebe in der Politik die Tendenz, „sich vorauseilend in den Dienst der Vermögenden zu stellen“. Er mahnt: „Man muss sie auch mal fragen.“ 

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