Politik : WM-Studie: Berlins Stadion ist gefährlich

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Berlin - Gleich vier Fußballstadien der Weltmeisterschaft 2006 haben „erhebliche Mängel“ und könnten zur „tödlichen Falle“ für die Zuschauer werden. So lautet das Urteil der am Dienstag in Berlin vorgestellten WM-Sicherheitsstudie der Stiftung Warentest. Neben den Arenen in Gelsenkirchen, Kaiserslautern und Leipzig kritisierten die Tester auch das für 242 Millionen Euro sanierte Olympiastadion in Berlin. Dort soll am 9. Juli 2006 das WM-Finale stattfinden.

In Berlin wurde vor allem der so genannte Reportergraben bemängelt, der 2,70 Meter tief ist und zwischen Zuschauertribüne und Spielfeld verläuft. „Der Graben ist unüberwindbar“, sagte der Projektleiter der Stiftung, Holger Brackemann. Provisorische Brücken, die in einem Ernstfall erst aufgebaut werden müssten und deren Aufbau acht Minuten dauere, seien keine Lösung. „In einer Paniksituation wäre die Katastrophe programmiert“, sagte Brackemann. Experten beziffern die Kosten für einen Einbau neuer Brücken auf 100 000 Euro pro Stück. Auch im Leipziger WM-Stadion wurde die Abgrenzung zum Rasen scharf kritisiert: Dort müssten Fans im Notfall mehrere Meter in die Tiefe springen, um aus dem Block zu gelangen.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) versicherte, dass die Hinweisel ernst genommen würden: „Für Empfehlungen, die die Sicherheit in Stadien verbessern, sind wir dankbar.“ Man werde auf Umsetzung dringen. Schäuble warnte aber vor Hysterie. Das WM-Organisationskomitee (OK) will trotz der Kritik an seinem Sicherheitskonzept festhalten. „Die deutschen WM-Stadien sind sicher“, sagte OK-Vizepräsident Horst R. Schmidt. In den Stadien in Berlin, Gelsenkirchen und Leipzig würden die wichtigsten Fluchtwege nach außen und nicht auf den Rasen führen. AG/ide

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