Politik : Wo das Geld ist

Jugendliche und junge Erwachsene verfügen über immer größere Summen – und sie sparen nicht

Tissy Bruns

Wir, die Bewohner eines Schuldenstaates, haben verinnerlicht, wer dafür bezahlen muss, wenn wir die vorgezogene Steuersenkung mit neuen Schulden finanzieren: unsere Kinder.

Das sagt sich so einfach. Hinter dieser schlichten Rechenwahrheit hat sich längst ein ganz neuer Komplex im kollektiven Unbewussten aufgetürmt. Niemand lebt gern mit Schuld und Schulden, sie wollen abgetragen sein gegenüber den Opfern, zumal wenn sie jung und unschuldig sind. Es wäre der eine Weg, einfach keine neuen staatlichen Schulden zu machen. Wir sehen an der jüngsten Debatte, wie verdammt schwer das ist. Den zweiten Weg hat jetzt das Münchner Institut für Jugendforschung aufgedeckt. Oma und Opa, Mama, Papa und die Paten machen auf privater Basis gut, wozu wir uns als Gemeinwesen nicht konsequent durchringen können. Da flüstert das kollektive Schuldbewusstsein unaufhörlich: Sollen sie es wenigstens jetzt gut haben, wenn wir ihnen schon so ein ungeordnetes Staatswesen übergeben. Die direkte Umverteilung in die Taschen der heranwachsenden Generation hat eindrucksvolle Dimensionen angenommen. 62,1 Milliarden Euro stehen den 13- bis 24-Jährigen in diesem Jahr zur Verfügung, zehn Milliarden mehr als 2002. Die 13- bis 17-Jährigen können im Monat 152 Euro, die 18- bis 20-Jährigen 477 Euro ausgeben. Ihr finanzieller Zuwachs ist hauptsächlich das Ergebnis von Geldgeschenken, während bei den 21- bis 24-Jährigen, die durchschnittlich 820 Euro zur Verfügung haben, die Einkommen gestiegen sind.

Hans Eichel und die Wirtschaft können sich über das Verhalten der jungen Leute freuen. Ihre Eltern weniger. Denn das Geld wird ausgegeben, Sparen steht nicht hoch im Kurs. Im letzten Jahr haben noch 65 Prozent Opas Weihnachtsgabe auf die hohe Kante gelegt, jetzt sind es nur noch 62 Prozent. Warum? Die finanziellen Paradoxien des Schuldenstaates sind bei den Heranwachsenden schon angekommen. Sie nehmen zwar mehr Geld ein, haben aber weniger zur Verfügung. Denn feste Kosten für Mofa-Leasing und Handy binden die Jugendlichen – und es steigt die Zahl derer, die Schulden zurückzahlen müssen. Bei den 13- bis 17-Jährigen sind sechs Prozent verschuldet, bei den jungen Erwachsenen zwischen 21 und 24 Jahren sind es sogar 16 Prozent. Kein schöner Befund, selbst wenn diese Schulden überwiegend auf privater Basis und damit zinsfrei abgetragen werden. Denn er besagt, dass ein erheblicher Teil der jungen Generation nicht nur öffentliche, sondern zusätzliche private Vergangenheitslasten in die Zukunft schleppen muss. Womit einmal mehr bewiesen ist, dass ein schlechtes Gewissen kein guter Erziehungsberater ist.

Das sagt sich so einfach. Beim Streit um das Taschengeld für den ersten Urlaub ohne Eltern hat mancher seinem Kind jetzt gerade nachgegeben.

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