Politik : Zur Hölle und zurück

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Wenn wir hier heute vom Handy reden, dann nicht aus reiner Willkür, sondern weil die Materiallage es erzwingt. Unglaublich viel los bei diesen Dingern! Dies hier zum Beispiel ist wichtiges Basiswissen für Bestatter: Wenn es im Feuer des Krematoriums knallt, ist vermutlich wieder ein Handyakku in die Luft gegangen. Immer mehr Verblichene nehmen die Geräte mit in den Sarg, denn wer an ein Leben nach dem Tod glaubt, der wird drüben auch Mobilfunknetze erwarten dürfen. Allerdings mag es bitter sein, wenn die himmlischen Heerscharen gleich an der Rezeption mitteilen, leider, leider, Vodafone habe droben kein Netz.

Aber auch im Diesseits gibt es noch sooo viele Anwendungen, von denen wir uns kaum Vorstellungen machen. Es ist ja so, dass die großen Herstellerfirmen in ihren Kreativetagen Massen von jungen Erfindern beschäftigen, die nur ein Ziel kennen: Noch so einen Knaller erschaffen wie das Fotohandy. Bislang aber produzieren sie nur B-Ideen, eine neue besteht darin, dass das Gerät Anrufe mit minimal dosierten Elektroschocks ankündigt. Es klingelt nicht und brummelt auch nicht mehr unbemerkt in der Tasche, sondern prickelt sanft in der Lendenregion oder wo immer der Besitzer es gern hätte. Kleiner Vorschlag: Wenn zusätzlich Herzfrequenz und Blutdruck überwacht werden, könnte das Ding selbstständig stärkere Schocks austeilen und wäre damit der Notarzt in der Brusttasche.

Eher im geistig-moralischen Sektor ist das Patent angesiedelt, das Motorola in den USA entwickelt hat: ein Feng-Shui-Handy, das mit Sensoren, Mikrofon und Kamera arbeitet und dem Benutzer mitteilt, ob er bereits in optimaler Wohnatmosphäre lebt oder noch ein paar Spiegel zerschlagen und das Bett ins Aquarium stellen muss. Sogar Radiowellen kann es messen und den Abstand zum nächsten schädlichen UKW-Sender bestimmen. Allerdings würde ein Feng-Shui-Handy, das seinen Auftrag ernst nimmt, sicher darum bitten, sofort ausgestellt und weggeworfen zu werden, der Funkwellen wegen.

Disparate Einzelideen sind das bislang. Doch die Erfahrung zeigt, dass sie über kurz oder lang zusammenwachsen und dann das ergeben, was der Kenner eine Killer-Applikation nennt. Wer also mit dem hoffentlich nicht explodierten Handy die Hölle betritt und damit feststellt, dass die Wohnatmosphäre drunten auch durch Bettenrücken und Feuerlöschen nicht zu retten ist – der könnte per Elektroschock einen Neuanfang im alten Leben versuchen. Aber wahrscheinlich ist dann gerade mal wieder der Akku leer.

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