Politik : Zuwanderung: Green Card bald auch für Ingenieure

Ulrike Fokken

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat angekündigt, seine Green-Card-Initiative nun auch für Ingenieure und Maschinenbauer zu öffnen. "Die hier studiert haben, sollen auch hier bleiben können, wenn sie ihre Arbeitskraft deutschen Unternehmen zur Verfügung stellen wollen", sagte Schröder am Dienstag auf dem Arbeitgebertag in Berlin. Insbesondere sprach Schröder von Hochschulabsolventen des Maschinenbaus und der Ingenieurwissenschaften. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hatte zuvor beklagt, dass sich die Studentenzahlen dieser Fachrichtungen in den vergangenen Jahren halbiert hätten. Die Unternehmer machten sich große Sorgen um ihre Wettbewerbsfähigkeit, da sie keinen entsprechenden Nachwuchs haben, sagte Hundt.

Die bisherige sogenannte Green Card erleichtert nur ausländischen Spezialisten der Informations- und Kommunikationstechnologie den Erwerb einer Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung. Dazu zählen sowohl ausgebildete Experten als auch Hochschulabsolventen. Schröder hatte im Frühjahr auf der Computermesse Cebit mit der Green-Card-Ankündung die aktuelle Diskussion um die Einwanderung angestoßen. Schröder griff damals eine Forderung der Branche auf, die über mangelnde Fachkräfte klagte. Der Forderung nach ausländischen Fachleuten schlossen sich daraufhin auch andere Unternehmenszweige an. Industrie, Wirtschaft und auch das Handwerk fordern, dass die Green Card für alle Berufe geöffnet werde.

Mit der angekündigten Öffnung der Green Card kommt Schröder auch Bildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) entgegen. Sie setzt sich seit Monaten für eine erleichterte Aufenthaltsgenehmigung für ausländische Hochschulabsolventen ein. Schließlich sei es nicht einzusehen, dass Deutschland Fachleute ausbilde und sie nach dem Examen nicht im Land lasse, auch wenn sie hier zu Lande gebraucht werden.

Schröder sprach sich für Zuwanderung "als Chance für unser Land" aus. Es sei nicht nur eine moralische Frage, "sondern es liegt auch in unserem ganz nüchternen ökonomischen Interesse". Einen Seitenhieb verpaßte Schröder dem Fraktionsvorsitzenden der Union, Friedrich Merz. "Jeder, der meint, mit einer nicht frei von nationalistischen Floskeln geführten Debatte in dieser Frage voranzukommen, irrt sich", sagte Schröder. Denn Deutschland habe nur "als weltoffenes Land eine Perspektive". Dazu zählt für den Bundeskanzler auch eine verbesserte Bildung. Aber: "Die Zuwanderung ist die wichtigste Facette".

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