Politik : Zwangsarbeiterfonds: Die Katholische Kirche beteiligt sich nicht an der Stiftung

Die katholische Kirche in Deutschland wird sich nicht an der Zwangsarbeiterstiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" beteiligen, stellt für die Wiedergutmachung jedoch insgesamt zehn Millionen Mark zur Verfügung. Wie der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, der Mainzer Bischof Karl Lehmann, am Dienstag erklärte, sollen davon fünf Millionen in die direkte Entschädigung von Zwangsarbeitern fließen. Weitere fünf Millionen Mark werden für die Versöhnungsarbeit bereitgestellt.

Damit gehen die katholischen Bischöfe einen anderen Weg als die Evangelische Kirche in Deutschland. Diese hatte Mitte Juli angekündigt, gemeinsam mit der Diakonie insgesamt zehn Millionen Mark in den Stiftungsfonds der deutschen Wirtschaft einzahlen zu wollen. Die Stiftung erfasse ausdrücklich keine Zwangsarbeiter in kirchlichen Einrichtungen, begründete Lehmann die Entscheidung der Bischöfe.

Die Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft sprach von einer "unangemessenen und kleinherzigen Reaktion" der Bischöfe. Das Gesetz für die Stiftung sehe eine Öffnungsklausel vor, mit der auch die im Bereich der Kirche beschäftigten Zwangsarbeiter berücksichtigt werden könnten, sagte der Sprecher der Stiftungsinitiative, Wolfgang Gibowski in Berlin. Das habe er der katholischen Kirche auch im Vorfeld mitgeteilt. Auch der Bundesbeauftragte für die Stiftungsinitiative, Otto Graf Lambsdorff, bedauerte die Entscheidung und kritisierte sie als "schwer verständlich". Grundsätzlich begrüßte er aber, dass die katholische Amtskirche zur Entschädigung von NS-Zwangsarbeitern "überhaupt bereit" sei. Der Anwalt von NS-Opfern, Michael Witti, kritisierte die Entscheidung ebenfalls. Die Kirche ignoriere "die gesellschaftliche Entscheidung, nämlich die Entschädigung über das Stiftungsgesetz zu leisten", erklärte er.

Lehmann sagte, während des Zweiten Weltkriegs seien wahrscheinlich weniger als ein Promille der insgesamt 7,6 Millionen Zwangsarbeiter bei der Kirche beschäftigt gewesen. Die ausländischen Arbeiter seien in den meisten Fällen wie deutsche Arbeitnehmer entlohnt und angemessen versorgt worden: "Fälle von Ausbeutung oder zwangsweise zu leistender Schwerstarbeit sind bisher nicht belegt." Die Zwangsarbeiter in Einrichtungen der katholischen Kirche seien nicht entrechtet oder in ihrer Menschenwürde brutal missachtet worden. Der Direktor der Kommission für Zeitgeschichte, Karl Joseph Hummel, ergänzte, die NS-Ideologie sei die Ideologie der Vernichtung durch Arbeit gewesen: "Diese Form der Sklavenarbeit hat es in kirchlichen Einrichtungen nicht gegeben." Lehmann sagte, die katholische Kirche habe für eine menschliche Behandlung der Zwangsarbeiter Stellung bezogen und mit ihrer seelsorgerischen Arbeit Widerstand geleistet. Eine "Kollektivschuld" lehne sie deshalb ausdrücklich ab.

"Dies bedeutet nicht, dass wir uns der Solidarität unseres Volkes im Tragen der Last der Verantwortung entziehen", sagte der Mainzer Bischof. Die Abwicklung der direkten Entschädigung solle der Caritasverband übernehmen. Bisher gebe es keine Schätzungen, wie viele ehemalige Zwangsarbeiter in katholischen Einrichtungen noch leben. Es handele sich aber um eine sehr kleine Gruppe, sagte Hummel. Die geplante Versöhnungsarbeit - vor allem Aufarbeitung der Geschichte der Zwangsarbeiter, Förderung internationaler Kontakte und Jugendaustausch - sollen Organisationen wie Pax Christi, Akademien und andere katholische Bildungseinrichtungen übernehmen. Eine Kooperation mit der Stiftung sei denkbar.

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