Politik : Zwangsgemeinschaft in der Bewährung

Elke Windisch

Nichts ist mehr so wie es war nach den Terroranschlägen im September. Schon gar nicht das russisch-amerikanische Verhältnis. Differenzen zu ABM und Washingtons Raketenabwehrsystem, mit Bedacht hoch gepuschte Spionageskandale und die Zusammenarbeit Moskaus mit Teheran auf kerntechnischem Gebiet ließen noch im Frühjahr einen Rückfall in die Zeiten des Kalten Kriegs befürchten. Das Eis brachen Putin und Bush indes schon beim ersten Gipfel in Ljubljana im Juni. An diesem Dienstag treffen sie sich bereits zum vierten Mal.

Von einem ungetrübten Verhältnis kann dennoch nicht die Rede sein. Noch eint beide zwar die Notwendigkeit zur Terroristenbekämpfung. Vor dem Hintergrund jüngster militärischer Erfolge der afghanischen Taliban-Gegner wird ein Konsens zur Nachkriegsregierung in Kabul jedoch zunehmend dringlicher. Hier aber favorisiert Washington - nicht zuletzt mit Blick auf Pakistan - eine Koalition aller Volksgruppen. Moskau dagegen hat sich auf die Minderheiten des Nordens festgelegt, die auch von Iran unterstützt werden.

Um den Flurschaden zu begrenzen, dürfte Putin bei Bush für eine aktivere Rolle Teherans in der Anti-Terror-Koalition werben. Sollte der Coup gelingen, kann Moskau zum einen auf einen Durchbruch im Streit um die Teilung des gas- und ölreichen Kaspischen Meers rechnen, der vor allem wegen überzogener Forderungen Teherans auf der Stelle tritt. Das würde Russlands Position sowohl im Transkaukasus als auch in Zentralasien aufwerten. Zum anderen aber hätte Putin beste Karten, das Preisgeld für eigene Leistungen weiter in die Höhe zu pokern. Zumal die zentralasiatischen Republiken Usbekistan und Tadschikistan den USA Basen und Luftraum erst nach ausdrücklicher Auflassung Moskaus öffneten.

Abzug aus Tschetschenien

Die russische Regierung kündigte unterdessen an, seine Truppen bis Ende April 2002 aus Tschetschenien abziehen. Dann sollten nur noch einige Einheiten in der aufständischen Kaukasusrepublik verbleiben, sagte der russische Kommandeur in Tschetschenien, General Gennadi Troschew am Montag der Nachrichtenagentur Interfax.

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