Politik : Zwei Kandidaten, kein Richtungsentscheid

Laschet oder Röttgen – die Mitglieder der CDU in Nordrhein-Westfalen haben über den künftigen Landesvorsitzenden abgestimmt

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Gegner im Land. Armin Laschet (links) und Norbert Röttgen. Foto: dpa
Gegner im Land. Armin Laschet (links) und Norbert Röttgen. Foto: dpaFoto: dpa

Düsseldorf/Berlin - Es war eine kleine NRW-Wahl nach der großen im Mai, eine Folge der Wahlniederlage der regierenden Christdemokraten: Am Sonntag haben die CDU-Mitglieder im bevölkerungsreichsten Bundesland über ihren künftigen Parteichef abgestimmt. Armin Laschet oder Norbert Röttgen – das war die Frage. Die Antwort gab am Sonntagabend – nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe – der scheidende Vorsitzende Jürgen Rüttgers, der das Amt nolens volens zur Verfügung gestellt hat.

Etwa 160000 Mitglieder hat die CDU in Nordrhein-Westfalen, es ist der größte Landesverband der Partei, mithin die größte Landesgruppe im Bundestag und auf den Bundesparteitagen. Wer die CDU an Rhein und Ruhr und in Westfalen führt, ist also nicht irgendwer. Es ist eine der wichtigsten Machtpositionen in der Christlich-Demokratischen Union. Am Sonntag waren 139 Wahllokale geöffnet, viele Mitglieder hatten in den letzten vier Wochen schon per Brief abgestimmt.

Dass der Chef der NRW-CDU ein Machtfaktor in der Bundespartei ist, hat die Kandidatur vor allem für Norbert Röttgen verlockend gemacht. Der Bundesumweltminister ist ein ehrgeiziger Mann, der derzeit wohl still beobachtet, wie sich ein anderer Jüngerer – Karl- Theodor zu Guttenberg – bei der CSU an höhere Aufgaben heranmacht. Röttgen, Jahrgang 1965, gehört schon zur ersten Reihe der Partei, hat einige wichtige Ämter hinter sich, darf sich als Umweltminister nun beweisen. Er ist einer, der auch in einigen Jahren noch ganz vorne mitmischen kann, in einer Ära nach Merkel. Oder nach Hannelore Kraft in Düsseldorf, dann als Ministerpräsident.

Lange beschränkte sich sein Wirken auf den Bundestag – er war Parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion –, nun hat er es auf die Exekutive erweitert. Ein Parteiführungsamt hat der Vater zweier Kinder erst 2009 angetreten, als Chef des einflussreichen CDU-Bezirks Mittelrhein. Aber die zielstrebige Karriere des klugen Juristen (den manche in der Partei für etwas zu schlau halten) braucht noch eine festere Verankerung in der Partei – mit dem Landesvorsitz wäre das der Fall. Auch wenn die damit möglicherweise verbundene Spitzenkandidatur beim nächsten Wahlgang im Land ein unwägbares Risiko für den eher bundespolitisch orientierten Röttgen wäre.

Armin Laschet dagegen ist ein Landespolitiker, der mit dem Parteivorsitz genau diese Spitzenkandidatur anstrebt. Er wird dabei auch von vielen Landespolitikern unterstützt. Laschets Ziel dürfte sein, Ministerpräsident in NRW zu werden. Vielleicht glaubt er, ein Landespolitiker könnte der CDU im einstigen Stammland der Sozialdemokraten eine festere Basis geben als Rüttgers, der ja ebenfalls aus der Bundespolitik kam und die Sache in Düsseldorf möglicherweise etwas zu sehr von oben herab betrachtet hatte.

Mit seiner Verankerung im Land war der ehemalige Integrationsminister im schwarz-gelben Kabinett den Parteimitgliedern näher als der zweifellos etwas charismatischere Röttgen. Freilich agierte Laschet, der vier Jahre älter ist als sein Kontrahent, auch lange Zeit von außen (wie übrigens auch Fraktionschef Karl-Josef Laumann). Vor seiner Ministerzeit war Laschet bis 2005 Mitglied im Europaparlament, von 1994 bis 1998 saß der Vater dreier Kinder im Bundestag.

Eine Richtungsentscheidung, so viel war klar, ist am Sonntag in Nordrhein- Westfalen nicht gefallen. Laschet wie Röttgen gehören dem liberalen Flügel der CDU an, sie sind offen für Fortschrittsthemen – Röttgen hat sich als Umweltminister mit Teilen der Partei angelegt, Laschet wurde durch seine Offenheit in der Integrationspolitik bekannt. Wie auch immer die Mitglieder entscheiden, beide Kandidaten wollen das Votum akzeptieren. So wird es auf dem letztlich entscheidenden Parteitag am 6. November nur einen Kandidaten geben. Der Sieger dürfte auch gute Chancen haben, Rüttgers als Vizevorsitzenden der Bundespartei zu beerben.

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