ZYPERN : Pleitebanken und Schwarzgeldkonten

Russische Speisekarten im Restaurant, russische Sicherheitshinweise in Hotels, russischsprachiges Personal in den Juwelier- und Pelzgeschäften: Kein Wunder, dass die Bewohner der zyprischen Hafenstadt Limassol von ihrem Ort oft als „Limassolgrad“ sprechen. Bei den Banken sind Russen wichtige und gern gesehene Kunden. Nach Angaben der Zentralbank unterhalten Nicht-EU-Bürger Einlagen von 20,8 Milliarden Euro. Der allergrößte Teil davon dürfte auf russische Guthaben entfallen. Die Zahl der auf Zypern registrierten Briefkastenfirmen liegt bei etwa 40 000. Hinter vielen verbergen sich reiche Russen, sagen Insider. Dass nicht alle Gelder auf zyprischen Konten ehrlich verdient und ordentlich versteuert wurden, ist eine Vermutung.

Jetzt werden die russischen Milliarden zu einem Problem. Denn der Bankensektor der Insel, der in besten Zeiten etwa zwei Drittel der Wirtschaftsleistung erbrachte und dessen Bilanzsumme sogar das Neunfache des zyprischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) erreichte, steht vor dem Zusammenbruch. Beim Schuldenschnitt im benachbarten Griechenland mussten die zyprischen Banken schwer bluten, weitere Milliardenverluste kamen durch Kreditausfälle in Griechenland hinzu, wohin die zyprischen Banken etwa ein Viertel ihrer Darlehen vergeben haben. Nun sollen die beiden größten Banken der Insel mit rund zehn Milliarden Euro rekapitalisiert werden. Zypern selbst kann diese Summe unmöglich aufbringen, sie entspricht fast 60 Prozent des BIP. Die Gelder müssen also aus dem Euro-Rettungsfonds kommen.

Dass die europäischen Steuerzahler mit den Hilfskrediten letztlich auch russisches Schwarzgeld retten sollen, ist nicht der einzige Schönheitsfehler. Die Insel, die 2004 der EU und 2008 der Euro-Zone beitrat, gilt als Steueroase. Die Körperschaftsteuer liegt bei nur zehn Prozent, der Schutz der Privatsphäre zyprischer Bankkunden geht sehr weit. Zwar verabschiedete Zypern im Zug des EU-Beitritts eine Reihe von Gesetzen gegen Korruption und Geldwäsche. Kritiker sagen aber, in der Praxis habe sich wenig geändert. Präsident Dimitris Christofias zeigt wenig Reformbereitschaft. Die EU verlangt, dass Zypern als Gegenleistung für Rettungskredite Staatsunternehmen privatisiert, um Schulden abzutragen. Doch das lehnt der Altkommunist Christofias, der zu Sowjetzeiten in Moskau geschult wurde, ab. Die EU will deshalb über Hilfszahlungen für Zypern erst nach der Präsidentenwahl am 17. Februar entscheiden. Christofias tritt nicht mehr an, als wahrscheinlicher Nachfolger gilt der Konservative Nikos Anastasiadis. öhl

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