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1:1 gegen Tschechien : U 21 zieht ins EM-Halbfinale ein und fährt nach Rio

Die deutsche Junioren-Nationalmannschaft steht nach dem 1:1 gegen Tschechien im EM-Halbfinale. Nach einem Tor von Hertha-Spieler Nico Schulz schafft das Team zudem die Qualifikation für Olympia 2016 in Rio de Janeiro.

Stefan Osterhaus
Herthas Nico Schulz feiert seinen Treffer zum 1:0 für die deutsche U 21.
Herthas Nico Schulz feiert seinen Treffer zum 1:0 für die deutsche U 21.Foto: dpa

Es ging um den Gruppensieg, um das Halbfinale, um die Chance, im Wettbewerb zu bleiben. Doch wer einen Blick auf die Ränge des Prager Eden-Stadions warf, der konnte kaum glauben, dass da zu Beginn noch so viele Lücken klafften beim Spiel der Gastgeber aus Tschechien gegen die deutsche U-21-Mannschaft. Die Zuschauer, die gekommen waren, machten ohrenbetäubenden Radau – und davon ließ sich das deutsche Team in manchen Phasen heftig beeindrucken. Durch ein 1:1 gegen die Tschechen zieht die Mannschaft als Gruppenzweiter recht glücklich in das Halbfinale am Samstag in Olmütz ein und feierte zudem die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro. Der Berliner Nico Schulz traf in der 55. Minute zur Führung, die Ladislav Krejci in der 66. Minute ausglich. Die Dänen, die zeitgleich gegen Serbien spielten, belegen durch ein 2:0 gegen Serbien Rang eins.

„Wir sind da, wo wir hinwollten“, stellte DFB-Trainer Horst Hrubesch erleichtert fest. „Im Halbfinale werden die Karten neu gemischt. Wir müssen die Aufgabe lösen.“ Kapitän Kevin Volland meinte: „Es war schwer, aber wir
haben uns voll reingehängt. Wir sind froh, dass wir mit Olympia den ersten Schritt erreicht haben.“

Gegenüber dem 3:0 gegen Dänemark hatte Hrubesch drei Umstellungen vorgenommen: Christian Günter kam nach seiner Gelb-Rot-Sperre aus dem Eröffnungsspiel wieder zurück in die Verteidigung, Schulz rückte vor ins Mittelfeld, Amin Younes wechselte vom linken auf den rechten Flügel. Hrubesch erwartete Angriffe der Tschechen über die rechte Seite, auf der Jiri Skalek und der Neu-Hoffenheimer Pavel Kaderabek beim 4:0 gegen die Serben einen ziemlichen Wirbel veranstaltet hatten. Max Meyer, in den ersten beiden Spielen bestenfalls unauffällig, blieb dagegen in der Offensivzentrale hinter Angreifer Kevin Volland.

Die Tschechen wurden allmählich stärker und stärker

Das Planspiel funktionierte, die ersten 20 Minuten gehörten den DFB-Junioren: Schon nach drei Minuten schoss Volland aus halbrechter Position am Tor vorbei, wenig später konnte Meyer einem Kopfball nicht die nötige Wucht verleihen, nach einer langen Pass-Stafette vergab Younes aus guter Position. Das einzige, was in dieser starken Phase fehlte, war, wie schon im vorigen Spiel, die Effizienz.

Die Tschechen brauchten lange, um der Hrubesch-Elf etwas entgegenzusetzen, doch allmählich wurden sie stärker und stärker, und nach dem Wiederanpfiff schien es möglich, das Szenario, das kaum noch vorstellbar erschien: ein Scheitern in der Vorrunde. Zu überzeugend hatten die Junioren beim 3:0 gegen Dänemark gespielt, hatten den mutmaßlich härtesten Gegner der Gruppe deutlich beherrscht, hatten glatt überspielt, wie schlecht es im ersten Spiel gegen die Serben mehr als eine Stunde lang gelaufen war. Dieser Aufritt rückte das Team erst recht in die Rolle des Turnierfavoriten. Dass die Tschechen im Weg stehen könnten, davor hatte Horst Hrubesch gewarnt, und kurz nach der Halbzeit wurde dieses Scheitern auf einmal höchst wahrscheinlich.

Der Treffer von Schulz stellte den Spielverlauf auf den Kopf

Zunächst köpfte Julian Korb einen mustergültigen Kopfball des Innenverteidigers Jakub Brabec von der Linie, dann kickte Skalak aus elf Metern nur knapp am Tor vorbei. Der Auftakt der Tschechen in die zweite Hälfte wirkte wie ein spiegelverkehrtes Bild der ersten zwanzig Minuten – nur, dass die Chancen klarer waren. Und so stellte Schulz‘ Treffer zum 1:0 für das DFB-Team das Spielgeschehen nach Wiederanpfiff auf den Kopf: Er nutzte die Konfusion in der tschechischen Abwehr, die eine Hereingabe von Volland zu klären versuchte.

Die Entscheidung hätte Emre Can nur ein paar Minute später herbeiführen können, sein Schuss ging nur knapp am Pfosten vorbei. In der 58. Minute war es wieder Can, der mit einem Heber an Torhüter Tomas Koubek scheiterte. Doch weil Can in diesen entscheidenden Augenblicken kein Glück hatte, blieb es eine Zitterpartie, und nachdem der eingewechselte Krejci aus kurzer Distanz traf, war es allein der mangelnden Kaltschnäuzigkeit der nun deutlich überlegenen Tschechen zu verdanken, dass die deutsche U21 im Turnier bleibt und nach Rio fährt.

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