1. FC Nürnberg : Die Wiederholung der Perfektion

Der 1. FC Nürnberg steht vor einer kniffligen Saison: Die Erwartungen sind so hoch wie lange nicht

Stefan Hermanns
Nürnberg Foto: ddp
Denkmal in Planung: Trainer Hans Meyer inmitten der Neuzugänge. -Foto: ddp

Was hat sich verbessert?

Wenn eine Mannschaft nicht nur ihren Kapitän, sondern auch ihren Torhüter verliert, kann man ruhig die Gegenfrage stellen: Hat sich überhaupt etwas verbessert? Sportlich ist der Verlust von Torhüter Raphael Schäfer ohne Frage größer als der von Kapitän Markus Schroth, zumal Schäfers designierter Nachfolger Jaromir Blazek bisher einen so blässlichen Eindruck hinterlassen hat, dass Trainer Hans Meyer erst morgen seine neue Nummer eins bekannt geben will. Nach dem Ersatz für Schroth haben die Nürnberger lange fahnden müssen, doch das Warten hat sich gelohnt. Die Quote des Mittelstürmers Schroth (sechs Tore, eine Vorlage) sollte für Angelos Charisteas zu schaffen sein.

Wer sind die Stars? Neben den üblichen Verdächtigen Hans Meyer, Robert Vittek und Marek Mintal haben die Nürnberger einen stillen Star, der so still ist, dass er erst gar nicht als Star wahrgenommen wird: Tomas Galasek. Für den Erfolg des Clubs in der vorigen Saison war der Tscheche mindestens genauso wichtig wie die drei Erstgenannten. Der Sechser Galasek hält das Nürnberger Spiel zusammen, und zwar auf eine Art, wie sie uneitler nicht sein könnte. Man müsste mal nachschlagen, ob Pflichtbewusstsein auf Tschechisch zufällig Galasek heißt.

Wie sicher ist der Job des Trainers? Nach der Theorie von Hans Meyer wird es langsam ernst für ihn. Spätestens seit dem Pokalsieg sind in Nürnberg die ersten Hans- Meyer-Denkmäler in Planung, und wenn die erst einmal stehen, so Meyer, kommen die Hunde und pinkeln sie an.

Welche Taktik ist zu erwarten? Es gibt Trainer, die offensiven Fußball aus tiefem Herzen ablehnen, das Publikum aber selbst nach dem schlimmsten Mauer-Kick mit der Aussage amüsieren, sie hätten drei Stürmer aufgeboten. Da sind dann zumeist die beiden Mittelfeldspieler auf den Halbpositionen mitgezählt. In Nürnberg ist beim 4-3-3 auch das drin, was draufsteht: zwei richtige Außenstürmer und ein Brecher in der Mitte. Hans Meyer schätzt zudem eine offensive Verteidigung, eine kluge Organisation und eine klare Struktur auf dem Feld. Daran wird sich in der neuen Saison nichts ändern.

Wer hat das Sagen im Verein? Hans Meyer verfügt über viele Fähigkeiten, aber eine wurde bisher weitgehend übersehen: Mit seiner Präsenz schafft er es, die Kräfte innerhalb eines Klubs in ein stabiles Gleichgewicht zu bringen. Meyer ist kein Alleinherrscher, allerdings sehr darauf bedacht, dass ihm niemand in die Arbeit pfuscht. Bisher stört das in Nürnberg niemanden. Oder hat irgendjemand den allmächtigen Club-Boss Michael A. Roth je seliger gesehen als am Ende der vergangenen Saison?

Wie ist die Stimmung im Stadion? Wenn sie in Nürnberg illustrieren wollen, was zuletzt mit dem Club passiert ist, verweisen sie auf das Heimspiel gegen Wolfsburg im Februar 2006 vor 16 900 Zuschauern – obwohl es um den Verbleib in der Bundesliga ging. Für die neue Saison hat der Club 25 000 Dauerkarten verkauft. Feiern ist eben schöner als zittern. Das Problem könnte sein, dass sich die Fans an den neuen Zustand vorschnell gewöhnt haben. Im Ligapokal gegen Schalke gab es bereits Pfiffe für die Helden vom Frühjahr.

Welche Platzierung ist möglich? In der vorigen Saison haben die Nürnberger als Pokalsieger und Bundesligasechster ihre Möglichkeiten wohl bis zum Letzten ausgereizt. Selbst Meyer hat von einer fast perfekten Saison gesprochen. Aber wie oft lässt sich Perfektion wiederholen? Die Wahrscheinlichkeit spricht eher dafür, dass der 1. FC Nürnberg 2008 schlechter dastehen wird als 2007. Konsolidierung kann manchmal ziemlich langweilig sein.

Morgen: Bayer Leverkusen. Die ganze Serie auf www.tagesspiegel.de/bundesliga

Folge 13:

1. FC NÜRNBERG

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