Sport : 1. FC Union: Beim Berliner Zweitligisten breitet sich ein Virus aus

Karsten Doneck

Sie sind zwischen 18 und 60 Jahre alt. Handwerker, Angestellte, Studenten, Arbeitslose - ein breites Spektrum ist da vertreten. Ihr gemeinsames Problem: Sie sind von einem Virus befallen. Das klingt beängstigend, ist aber völlig harmlos. V.I.R.U.S. bedeutet nämlich in diesem Falle lediglich: Verein infizierter rot-weißer Union-Supporter. Dahinter verbirgt sich eine Organisation, die Anfang Juni nach dem Pokalfinale gegen Schalke 04 zur Unterstützung des Fußball-Zweitligisten 1. FC Union gegründet wurde. Ihr Ziel lautet, die Kontakte unter den vielen Union-Fans zu pflegen, zu koordinieren und auszubauen. Mit spektakulären Aktionen der Anhängerschaft soll der Verein deutschlandweit in den Blickpunkt rücken. Derzeit tüftelt Virus an einem besonders kniffligen Fall: Der inzwischen eingetragene Verein will eine Fan-Reise zu Unions Uefa-Cup-Auftritt am 13. September beim finnischen Vertreter FC Haka Valkeakoski organisieren.

Das Vorhaben stößt auf Schwierigkeiten. "Zu der Zeit sind alle Fährverbindungen nach Finnland dicht", erzählt Virus-Mitarbeiter Ralph Behringer. Aber das Ganze soll ohnehin nicht nur preiswert, sondern auch nicht allzu zeitaufwändig sein, weil viele Union-Fans ja am Tag nach dem Spiel wieder zur Arbeit müssen. Da hilft nur der Rückgriff auf das schnellste Fortbewegungsmittel, das Flugzeug. Behringer: "Wir haben vor, ein Flugzeug zu chartern." Für rund 160 000 Mark, so haben die Leute von Virus erfahren, stellen Fluggesellschaften Personal und ein Fluggerät mit 280 Sitzen für eine Eintagesreise nach Helsinki zur Verfügung.

Virus hat ausgerechnet, dass, um kostendeckend arbeiten zu können, pro Passagier dann rund 600 Mark anfallen würden, inklusive einer Weiterfahrt im Bus von Helsinki nach Valkeakoski. Die Union-Fans schreckt der Preis nicht. Behringer sagt: "Wir haben schon Anfragen von 420 Leuten, die uns mitgeteilt haben, dass sie bei einem Preis bis zu 600 Mark sofort dabei sind." Am Mittwoch, wenn vom gastgebenden FC Haka Spieltermin, Spielort (es gibt Überlegungen, nach Helsinki oder Tampere auszuweichen) und Anstoßzeit endgültig festgelegt worden sind, wollen die Virus-Leute hurtig ihre Pläne in die Tat umsetzen, "eventuell sogar noch eine zweite Maschine chartern", wie Behringer ankündigt.

Der Virus breitet sich unter den Union-Fans übrigens langsam aus. Die Organisation wuchs inzwischen auf über 70 Mitglieder an, Tendenz nach wie vor stark steigend. "Wir sind in erster Linie ja eigentlich eine Internet-Clique", sagt Ralph Behringer leicht verwundert über den regen Zulauf.

Und die Organisation scheut auch das Risiko nicht. Die Finnland-Reise, betont Ralph Behringer, sei ja "gar nicht die ganz große Sache". Kopfschmerzen bereitet vielmehr die darauf folgende Auswärtsreise zum Zweitligaspiel am 16. September beim SV Waldhof Mannheim. Für den Einsatz eines Sonderzuges von Berlin nach Mannheim und zurück verlangt die Deutsche Bundesbahn 80 000 Mark. "Um diese Kosten zu decken", sagt Behringer, "brauchen wir tausend Leute, die mitfahren." Und wenn die nicht kommen? "Dann", so Behringer ohne jede Schönfärberei, "sind wir pleite."

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