1. FC Union Berlin : Christopher Lenz strebt den großen Schritt an

Der Berliner Christopher Lenz will es nach seiner Rückkehr aus Mönchengladbach beim 1. FC Union als Linksverteidiger in die Stammbesetzung schaffen.

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Christopher Lenz hat derzeit nur ein Ziel: die erste Elf.
Christopher Lenz hat derzeit nur ein Ziel: die erste Elf.Foto: Imago

Wenn Christopher Lenz den Berufsalltag hinter sich lassen will, ruft er seine Freunde an. „Von denen interessiert sich kaum jemand für Fußball“, sagt der neue Linksverteidiger des 1. FC Union Berlin. Das tue manchmal richtig gut. Abschalten ist schließlich Luxus geworden im Leben von Profifußballern. „Da kann es hin und wieder nicht schaden, auch mal über andere Dinge zu reden“, sagt Lenz.

Momentan bleibt dafür aber wenig Zeit. Mit seinem Klub befindet sich der 21-Jährige mitten in der Vorbereitung zur neuen Saison. In zwei Wochen, am 6. August, geht’s los für den Berliner Zweitligisten, mit einem Auswärtsspiel beim VfL Bochum. Bis dahin will Lenz Unions Trainer Jens Keller überzeugt haben, bis dahin will er als Linksverteidiger zum Stamm zählen. „Mein Ziel ist die erste Elf“, erzählt Lenz. Er sagt es recht locker, bestimmt zwar, aber nicht verbissen. Das ist nicht seine Art. Wenn er während seiner ersten Jahre als Fußballer etwas gelernt hat, dann, dass man nichts erzwingen kann. Geduld und glückliche Fügungen gehören genauso dazu wie präzise Pässe und gewonnene Zweikämpfe.

In Gladbach wurde er erwachsener

Bei Hertha BSC gehörte er regelmäßig zu den Jahrgangsbesten, für die deutsche U 19 machte er zehn Länderspiele, aber schon früh beschlich ihn das Gefühl: Das mit Hertha, das wird wohl nichts. Da war kein Signal, kein Anzeichen, dass der Verein mit ihm plane.

Also zog er weiter nach Gladbach. Im Rückblick sagt Christopher Lenz: „Der Schritt hat mir gutgetan. Weg aus Berlin, zum ersten Mal raus aus dem gewohnten Umfeld. Keine Eltern, keine Freunde, plötzlich muss man alles alleine auf die Reihe kriegen. Das macht auf jeden Fall erwachsener.“

Christopher Lenz spielte zehn Mal für die U-19-Nationalmannschaft.
Christopher Lenz spielte zehn Mal für die U-19-Nationalmannschaft.Foto: Imago

Reifer ist er geworden in der Fremde, aber nicht erfolgreicher. Bei der Borussia spielte Lenz stets in der U 23, bei den Profis durfte er nur mittrainieren. Vom eigenen Gefühl her war er auf einem guten Weg, aber dann geriet der Klub in sportliche Turbulenzen, und es kam, wie es in solchen Fällen so oft kommt: Trainerwechsel und für Lenz rückte die Bundesliga wieder in weitere Ferne.

„Die Konkurrenz war auch enorm groß“, sagt der Verteidiger und ohne es konkret zu benennen, umweht diesen Satz eine gewisse Selbstreflexion. Vielleicht war die Bundesliga-Spitze einfach eine Nummer zu groß. Nun also Zweite Liga, nun also Union. Eigentlich sollte Lenz schon im Winter wechseln, Unions damaliger Trainer Sascha Lewandowski wollte ihn unbedingt, aber die Vereine konnten sich erst auf einen Transfer zum Sommer einigen. „Das war ein verlorenes halbes Jahr“, sagt Lenz.

Bei Union hat er starke Konkurrenz

Beim 1. FC Union kämpft er gerade mit Kristian Pedersen, einem weiteren Neuzugang, um den Platz als Linksverteidiger. Derzeit scheint es, als würde der Däne in der Gunst des Trainers leicht vorn liegen. Im Testspiel gegen Energie Cottbus (1:1) saß Lenz am Samstag jedenfalls nur auf der Ersatzbank. Am Dienstag beim Test gegen Union Fürstenwalde und am nächsten Sonnabend, wenn der FC Utrecht im Stadion an der Alten Försterei gastiert (15.30 Uhr), kann er allerdings nochmal auf sich aufmerksam machen, bevor Keller eine endgültige Entscheidung treffen muss.

Von seinem neuen Trainer ist Lenz angetan. „Wir machen viele Stopps bei den Übungen, er korrigiert sofort, das kannte ich so noch nicht.“ Auch die Intensität der Einheiten sei ihm neu. „Ich bin schon ein bisschen kaputt“, sagt Lenz. Sein Tagesablauf ist daher zurzeit immer der gleiche. Trainieren, Körperpflege, Trainieren, nach Hause fahren, Couch. Für alles andere fehlen ihm zurzeit Kraft und Lust. Höchstens zum Einkaufen gehe er, sagt Christopher Lenz. Denn, und auch das ist nicht unbedingt typisch für einen jungen Mann in seinem Alter, wenn er etwas nicht ausstehen kann, dann ist es ein leerer Kühlschrank.

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