1. FC Union : Experimente für die Einheit

Union-Trainer Uwe Neuhaus hat viele Alternativen - er setzt auf den Konkurrenzkampf innerhalb des Teams. Im Testspiel gegen Schalke 04 hat das schon funktioniert.

Katrin Schulze

Als ob das so einfach wäre. Zwei, drei schnelle Schritte, eine richtige Drehung, zack, und schon schaut Kevin Kuranyi ins Leere. Christian Stuff spitzelt ihm den Ball in beeindruckender Leichtigkeit weg und schiebt ihn an einen seiner Mitspieler weiter. Ein ums andere Mal ließ Unions Verteidiger den ehemaligen Nationalspieler in Diensten des FC Schalke 04 am Sonnabendnachmittag auf diese Weise stehen. Beim 2:1-Sieg des Zweitligisten über den Bundesligisten präsentierte sich Stuff - in einem Testspiel wohlgemerkt - in blendender Verfassung. Und er war nicht der einzige, der seinem Trainer durch den gelungenen Auftritt viel Arbeit verschafft haben dürfte.

Arbeit im besten Sinne allerdings. Denn eine Woche vor dem ersten Pflichtspiel im Pokal gegen Werder Bremen muss sich Uwe Neuhaus vermehrt Gedanken über eine Stammformation machen - und das dürfte angesichts der gezeigten Leistungen am Sonnabend nicht gerade einfach werden. "Der Konkurrenzkampf ist jetzt eröffnet", sagt Neuhaus. "Jeder hat die Möglichkeit sich ins Team zu spielen." Vor allem in der Abwehr genießt Unions Trainer den Luxus einiger Alternativen. Gegen Schalke vertraute er zunächst überraschend Patrick Kohlmann auf der linken Seite, dazu stellte er neben Stuff auch Daniel Göhlert. Michael Parensen und Kapitän Daniel Schulz hatten das Nachsehen - in der zweiten Hälfte bewiesen aber auch sie, dass sie eine Mannschaft wie Schalke zu bremsen wissen.

Angesichts der Auswahl hatte Neuhaus fast Glück, dass sich mit Bernd Rauw ein weiterer Abwehrspieler wegen eines Infekts für die Partie gegen Schalke abmeldete. "Wir sind deutlich frischer aufgetreten als noch im Testspiel gegen Hertha", befand der Coach. "Vor allem in der Defensive haben wir wenige Fehler gemacht. Aber auch sonst gibt es nicht viel zu meckern." Die Konkurrenz belebt offenbar die Spielkultur des 1. FC Union - und das nicht nur in den hinteren Reihen. Wirklich unumstritten scheint derzeit lediglich der Platz im Tor, wo Jan Glinker am Sonnabend erneut seine Position als Nummer eins unterstrich. Selbst Torsten Mattuschka musste gegen Schalke im Mittelfeld zunächst Neuzugang Björn Brunnemann den Vortritt lassen. Im Angriff probierte es Neuhaus anfangs mit Karim Benyamina und Shergo Biran - eine vielversprechende Option. Ebenso wie der 21 Jahre alte kolumbianische Testspieler John Jairo Mosquera, der sich später durch ein Tor für ein langfristiges Engagement in Köpenick anbot.

Dass die Startelf des Testspiels ein Indiz für eine potenzielle Stammformation ist, sei laut Neuhaus aber "Unsinn", er wolle lieber noch ein wenig experimentieren, um eine richtige Einheit zu finden. Rotation in Köpenick? Die Qualität des Kaders dürfte nicht ausreichen, um das dauerhaft auf hohem Niveau durchzuhalten, festlegen will sich der Trainer trotzdem noch nicht. "Es werden sicherlich acht bis zehn Spiele in der Meisterschaft vergehen, ehe wir eine wirklich feste Formation gefunden haben", sagt Neuhaus.

Dennoch gibt es für einen Aufsteiger in die Zweite Liga schlechtere Ausgangspositionen als einen Sieg gegen einen ambitionierten Bundesligisten. Vieles läuft eine Woche vor dem Saisonauftakt schon überraschend flüssig bei den Berlinern. Auch Neuhaus' Gegenüber sieht das so. "So wie sie hier aufgetreten sind, können sie sich berechtigte Hoffnung auf eine Sensation im Pokal machen", sagt Schalkes Trainer Felix Magath. Ob Werder Bremen das auch gehört hat?

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