1. FC Union : Mehr als nur schnuppern

Offiziell spricht Union vom Klassenerhalt – dabei sind größere Ziele möglich.

von
Beeck
Unions Sportdirektor. Christian Beeck.Foto: p-a

Berlin - Auf die Basis ist beim 1. FC Union ja traditionell Verlass. Selbst bei eisigen Temperaturen. In den vergangenen paar Tagen war dies wieder einmal zu beobachten, als zig freiwillige Helfer in der winterweißen Alten Försterei schippten und räumten, was Kräfte und Schaufeln hergaben. Auch dank der fleißigen Fans ist der Fußball-Zweitligist ziemlich gut auf den Rückrundenstart vorbereitet. „Die Bedingungen sind recht ordentlich“, sagt Sportdirektor Christian Beeck. „Das Hineinschnuppern in die Rückrunde dürfte uns wegen der kurzen Pause nicht schwerfallen.“

Wie bereit Unions Gegner allerdings ist, darüber darf schon ein bisschen spekuliert werden. Denn während sich die Köpenicker Profis im kalten Berlin für die Partie am Freitag gegen Rot-Weiß Oberhausen (18 Uhr, Alte Försterei, live bei Sky) abhärteten, bereitete sich der Kontrahent mit einem Trainingslager in der Türkei vor, wo sich einige Spieler eine Lebensmittelvergiftung einhandelten. Von einer vermeintlichen Schwächung der Oberhausener wollen die Berliner aber erst gar nichts hören. Sie beschäftigen sich lieber mit ihren eigenen Befindlichkeiten – und hatten damit in der Winterpause mehr als genug zu tun.

Offiziell hat sich nach der erfolgreichen Hinrunde, die der Aufsteiger mit 26 Punkten auf Rang sieben beendet hat, nichts geändert. „Ich wüsste nicht, warum ich jetzt ein anderes Ziel als den Klassenerhalt ausgeben sollte“, sagt Trainer Uwe Neuhaus. „Wir bleiben bei unserer Maßgabe, 40 Punkte erreichen zu wollen. Alles andere ist Blödsinn.“ So abwegig oder gar blödsinnig ist das aber gar nicht. Wer nur vier Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz hat, muss sich eben Fragen nach ambitionierteren Saisonzielen gefallen lassen. Und wer genau hinsieht, wird diese bei den Köpenickern auch finden.

Nicht nur die beiden Neuverpflichtungen in der Winterpause, Paul Thomik und Chinedu Ede, auch die kürzliche Vertragsverlängerung mit Michael Parensen stehen sinnbildlich dafür. Dass den Routiniers Michael Bemben und Marco Gebhardt darüber hinaus die Möglichkeit eingeräumt wurde, die Mannschaft zu verlassen, zeigt, wie und vor allem wo es künftig langgehen soll. Jung, frisch, mutig. Sieht so der Weg des 1. FC Union in Richtung Bundesliga aus? „In den dreieinhalb Jahren bis 2013 können wir uns vorstellen, das zu packen“, sagte Sportdirektor Beeck unter der Woche bei einem Fantreffen, schob allerdings gleich die obligatorische Einschränkung hinterher. „Ohne zu sagen, dass wir mit aller Macht in die Bundesliga wollen. Es ist ein ganz normaler Vorgang.“

Die ersten Vorkehrungen für den Vorgang haben die Unioner schon jetzt getroffen  – vorsichtshalber sozusagen. Mit Parensen, Ede, Patrick Kohlmann, John Jairo Mosquera und Torhüter Jan Glinker besitzen fünf Profis Kontrakte, die auch für die Bundesliga gelten. „Längerfristig ist Union auf jeden Fall ein Kandidat für die Erste Liga“, sagt Unions Neuer Paul Thomik. Und auch Chinedu Ede, der in der Vergangenheit bereits 19 Bundesliga-Einsätze für Hertha BSC absolvierte, „würde gern wieder in der Ersten Liga spielen“. Mit seinem neuen Klub selbstverständlich.

Bei allen Schwärmereien vom großen Fußball, vermessen oder abgehoben wird sich ein Klub wie der 1. FC Union wohl auch künftig nicht geben. Als eine junge Frau den Köpenicker Sportdirektor neulich fragte, ob die Fans auch in der Ersten Liga noch Schnee schieben müssen, antwortete Christian Beeck ganz kühl: „Das bleibt. Das gehört einfach zu Union.“ Mitarbeit: mko

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