Sport : 1. FC Union - MSV Duisburg: Hitzereflex

Karsten Doneck

Freibad oder Fußball? Bei hochsommerlichen Temperaturen von über 30 Grad zogen 5741 Menschen den Besuch im Stadion an der Alten Försterei einer Abkühlung im Wasser vor. Einer von den 22 Spielern, die unter tropischen Bedingungen auf dem Platz ihren Schweiß vergossen, wäre wohl am Ende lieber abgetaucht: Philipp Bönig. Der spielt beim MSV Duisburg und war hinterher der unglücklichste Mann im Stadion. Fast im Stile eines Torwarts war die Hand des 21-jährigen Verteidigers in der 66. Minute im eigenen Strafraum zum Ball geschnellt. Eine Reflexbewegung, völlig unbedacht, weil der Spieler auch unbedrängt war. Den daraus resultierenden Elfmeter nutzte der gastgebende 1. FC Union durch Kostadin Widolow zum 1:0 (0:0)-Siegtreffer für seine Mannschaft. Union, am 26. Mai noch Pokalfinalist, steht jetzt in der zweiten Runde des DFB-Pokals.

"Es tut mir Leid für Bönig, dass ihm da der Ball an die Hand springt", bedauerte Pierre Littbarski, der Duisburger Trainer. Sein Assistent Robert Jaspert, früher lange Jahre bei Tennis Borussia, suchte auch nach Gründen für Bönigs Aussetzer: "Dass bei dieser Hitze die Konzentration nachlässt, ist doch kein Wunder."

Die Hitze war indes nicht allein für Duisburgs Pokal-K.-o. ausschlaggebend. "Uns fehlte auch das Glück in den entscheidenden Situationen", haderte Littbarski. Insbesondere dachte er da wohl an den Schuss von Peter Peschel, bei dem der Ball an die Lattenunterkante des Berliner Tores klatschte. Vor der Pause war schon Thomas Vana zweimal binnen weniger Sekunden an Unions starkem Torwart Sven Beuckert gescheitert.

Doch auch die Gastgeber versteckten sich nicht. In der ersten Hälfte stifteten vor allem Ristic und Chifon immer wieder Aufregung in der Duisburger Deckung. Der nach einer knappen Stunde für Ristic eingewechselte Isa fügte sich nahtlos als Unruheherd für die Gästeabwehr ein, vergab aber einmal frei vor Torwart Brasas.

"Das war ein schweres Stück Arbeit für uns, auch weil die äußeren Bedingungen nicht gerade als ideal zu bezeichnen waren", sagte Unions Mittelfeldspieler Ronny Nikol und spielte dabei auch auf die Hitze an. Nikol meinte aber auch: "Es hat dann letztlich die Mannschaft gewonnen, die konzentriert bis zum Schluss durchgespielt hat." Das entscheidende Tor durch Widolows sicher verwandelten Elfmeter erlebte Unions Trainer Wassilew übrigens von der Tribüne aus. Von einem grünen Schalensitz in Reihe fünf verfolgte er die Partie zu diesem Zeitpunkt. Schiedsrichter Peter Gagelmann aus Bremen, anfangs kleinlich pfeifend, hatte den Bulgaren schon nach 36 Minuten der Bank verwiesen. Wassilew hatte reklamiert. Und zwar hatte der Duisburger Drsek kurz zuvor ein rüdes Foul an Koilow begangen. Drsek war schon verwarnt. Wassilew forderte vergeblich Gelb-Rot für den Duisburger - und wurde stattdessen selbst vom Platz gestellt.

Nach dem Schlusspfiff hatten die Duisburger erst einmal alle Hände voll zu tun, ihren Unglücksraben Philipp Bönig zu trösten. Kotrainer Jaspert betrieb schon mal psychologische Aufbauarbeit. "Der ist ein Vollblutfußballer, der ist auch im Training immer bei 150 Prozent", lobte Jaspert, "dem darf so eine Sache durchaus mal passieren." Und die Hitze war ja schließlich auch noch eine Entschuldigung.

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