1. FC Union : Torsten Mattuschka: Singt ihm das Lied vom Tor

Ordentlich im Spiel, aber ungefährlich vor dem Tor: Torsten Mattuschka ist bei Union inzwischen unantastbar geworden – obwohl er nicht mehr trifft.

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Locker bleiben. Union benötigt im Abstiegskampf dringend Tore von Torsten Mattuschka, doch der Kapitän wartet schon seit Wochen auf sein zweites Saisontor.
Locker bleiben. Union benötigt im Abstiegskampf dringend Tore von Torsten Mattuschka, doch der Kapitän wartet schon seit Wochen...Foto: Koch

Berlin - Wenn der Ball ruht, wird im Stadion An der Alten Försterei immer ein Lied angestimmt. Die Fans des Zweitligisten 1. FC Union feiern ihren Kapitän dann als „besten Mann“ und fordern Torsten Mattuschka auf, den Ball „für den Verein“ ins Tor zu befördern. Auch heute wird der Union-Chor im Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf (18 Uhr, live bei Sky) sein selbst komponiertes Lied singen. Doch die Hoffnung, dass der Ball ins Tor geht, ist zuletzt immer geringer geworden.

Torsten Mattuschka trifft nicht mehr – vor allem nicht wie noch in der abgelaufenen Spielzeit. Zehn Tore hatte der offensive Mittelfeldspieler da erzielt. Unter seinen Treffern waren auch einige herrlich anzusehende, direkt verwandelte Freistöße, die Mattuschka erst zum Publikumsliebling und später zum Kapitän aufsteigen ließen. Seine Ernennung zum Spielführer kam überraschend, sie sollte Mattuschka zusätzlich beflügeln. Doch es scheint, als wäre dem 30-Jährigen dadurch die Leichtigkeit der Vorsaison abhandengekommen. Erst ein Saisontor hat Mattuschka bisher erzielt und steht damit sinnbildlich für die Probleme der Berliner in dieser Saison: Ordentlich im Spiel, aber ungefährlich vor dem Tor. Zuletzt vergab Mattuschka gegen den FSV Frankfurt eine hervorragende Torchance, weil er beim Abschluss zu lange zögerte. Im Gegenzug fiel das entscheidende 2:1 für Frankfurt. Unions-Trainer Uwe Neuhaus kritisierte seinen Kapitän nach Spielschluss heftig und sagte in Richtung Mattuschka: „Ich bin sehr wütend. So darf man sich nicht verhalten.“

Vor dem Spiel gegen den punktgleichen Konkurrenten aus Düsseldorf versuchen Neuhaus und Mattuschka den Vorfall herunterzuspielen. „Ich habe kein Problem mit den Aussagen des Trainers“, sagt Mattuschka. „Es ist sein gutes Recht, mich nach solch einer Aktion wie in Frankfurt zu kritisieren. Ich habe mich selbst über die vergebene Chance geärgert.“ Für Neuhaus ist die Angelegenheit vergessen – jedenfalls nach außen. „Die Kritik war berechtigt, aber sie sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass Torsten richtig gut gespielt hat“, sagt Neuhaus.

Das Letzte, was sie im Moment bei Union gebrauchen können, ist ein hausgemachter Zwist zwischen Trainer und Kapitän, zumal Mattuschka als einer der dienstältesten Unioner eine herausragende Stellung im Verein besitzt. Das weiß auch Neuhaus und redet Mattuschka nun bewusst stark. „Mit seiner Tätigkeit als Kapitän bin ich sehr zufrieden“, sagt Neuhaus. „Er ist als Antreiber und Motivator für uns unverzichtbar.“ Mattuschka weiß um seine Position und sieht keinen Grund, sich trotz Torflaute unter Druck zu setzen. „In diesem Jahr läuft es vor dem Tor noch nicht so. Aber ich muss auch nicht wieder zehn Tore schießen. Wenn ich am Ende fünfzehn Treffer vorbereitet habe, bin ich genauso glücklich.“

Vier Vorlagen hat Mattuschka in dieser Saison gegeben, doch gegen Düsseldorf wird ihm vermutlich seine Lieblingsanspielstation fehlen. Karim Benyamina ist nach seinem Debüt für die algerische Nationalmannschaft am Mittwoch nicht im Vollbesitz seiner Kräfte, ein Einsatz 48 Stunden nach dem Spiel in Luxemburg käme wohl zu früh. Allerdings fehlen Neuhaus, der die Rückkehr des wiedergenesenen Ahmed Madouni ins Abwehrzentrum nicht ausschließen wollte, die Alternativen im Angriff. Santi Kolk wäre eine, doch nach seiner Einblutung in der Wade wird der Niederländer in diesem Jahr wohl nicht mehr spielen können. Eventuell gibt Neuhaus Kenan Sahin neben John Jairo Mosquera eine Chance von Beginn an gegen dessen Ex-Verein. Allerdings ist die von Sahin ausgehende Torgefahr überschaubar. Sahin traf zuletzt vor über einem Jahr in einem Punktspiel für Union.

Umso mehr benötigt die Mannschaft Mattuschkas Treffer im Abstiegskampf. Am besten durch einen direkt verwandelten Freistoß. Die Unterstützung der Fans ist Torsten Mattuschka bei seinen Versuchen auf jeden Fall sicher.

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