Sport : 1. FC Union: Vereinbarte Prozente

Karsten Doneck

Die Delegation aus Berlin war keineswegs auf Vergnügungsreise. "Wir sind doch nicht nach Monaco geflogen, nur um vor Freude mal kurz die Arme hochzureißen, als uns da der Gegner zugelost wurde", sagt Heiner Bertram, der Präsident des Fußball-Zweitligisten 1. FC Union. Er, Vizepräsident Bernd Hofmann und Marketing-Chef Ralf Büttner führten vielmehr am Rande der Auslosung zur ersten Runde im Uefa-Pokal harte Verhandlungen. Um jede Mark wurde da gefeilscht. Und am Ende stand fest: Die Ufa, millionenschwer unter anderem beim Bundesligisten Hertha BSC beteiligt, vermarktet nicht nur Unions Uefa-Pokal-Auftritt gegen Finnlands Vertreter FC Haka Valkeakoski, sondern auch alle Spiele in den nächsten Runden dieses Wettbewerbs - sofern für Union der erste Auftritt auf europäischem Rasen nicht zugleich der letzte ist.

Die Ufa übertrumpfte mit ihrem Angebot von geschätzt rund einer Million Mark für Hin- und Rückspiel gegen Valkeakoski das Angebot der Sportwelt von Michael Kölmel um Längen. Allerdings legt Bertram Wert auf die Feststellung: "Die Sportwelt war bei unseren Verhandlungen immer involviert." Kölmel, der Union in finanziell schwierigen Zeiten viele Millionen zugesteckt hat, ist bekanntlich mit seinem Unternehmen, der Kinowelt, in größte finanzielle Schwierigkeiten geraten, sogar von einem sich abzeichnenden Konkurs ist die Rede. Schlagen sich diese Probleme über die Sportwelt, ein Tochterunternehmen der Kinowelt, bald auch auf Union nieder? Bertram betont: "Es gibt beim 1. FC Union keine Gefahr für den wirtschaftlichen Fortbestand. Unser Etat ist gedeckt." Zum einen hat die Sportwelt vor der Saison beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) eine Bankbürgschaft hinterlegt, außerdem hat der Klub durch DFB-Pokal und Uefa-Pokal zusätzliche Einnahmen, durch die die einstige Etatlücke von 1,4 Millionen Mark geschlossen werden kann.

Von dem Geld, das die Ufa in den Spielen gegen Valkeakoski in Unions Kassen bringt, bekommt Michael Kölmel nichts ab. "Die Summe ist eingeplant zur Deckung unseres Etats", sagt Bertram. Kölmel, so sehen es die Verträge vor, erhält aber erst dann Teile seines Darlehens zurück, wenn der 1. FC Union Gewinne erwirtschaftet. Und so wird Kölmel kräftig die Daumen drücken, dass die Mannschaft im Uefa-Cup weiterkommt. "In der zweiten Runde würde die Sportwelt dann die vereinbarten Prozente abbekommen", sagt Bertram.

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