1. FC Union : Vielfalt mit Risiken

Union hat im Mittelfeld viele Alternativen – das bringt auch Probleme mit sich. Um die Abstimmung im Mittelfeld zu verbessern, ließ Coach Uwe Neuhaus besonders das Umschalten zwischen Abwehr und Angriff einstudieren.

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Am Samstag geht es für Union gegen Greuther Fürth.
Am Samstag geht es für Union gegen Greuther Fürth.Foto: dpa

Berlin - Mit den Gepflogenheiten des deutschen Fußballs hat Santi Kolk noch so seine Probleme. Dass der neue Mann des 1. FC Union „mehr auf die Socken kriegt“, wie er selbst sagt, „und viel mehr laufen muss“ als früher, ist das eine. Aber dann sind da ja noch die weiten Wege zu den Auswärtsspielen. Distanzen wie die zwischen Aachen und Berlin sind ihm aus seinem Heimatland Holland, wo er zuletzt für Vitesse Arnheim aufgelaufen ist, nicht geläufig. „So lange wie in der vergangenen Woche habe ich noch nie in einem Bus gesessen“, erzählt Kolk. Vermutlich wird der 28 Jahre alte Niederländer noch ein bisschen brauchen, bis er sich den Ritualen der Zweiten Liga angepasst hat – auf dem Platz und außerhalb.

Auch Trainer Uwe Neuhaus sieht seinen zentralen Mittelfeldspieler „noch nicht bei 100 Prozent“. Es wird spannend sein zu beobachten, wie sich der steigerungsfähige Kolk und seine Kollegen aus dem Mittelfeld im ersten Heimspiel der Saison präsentieren: Am Samstag geht es gegen die schnelle und konterstarke Mannschaft von Greuther Fürth, die am vergangenen Wochenende 4:1 gegen Karlsruhe gewann (13 Uhr, Alte Försterei, live bei Sky). Und spannend wird sein, in welcher Kombination Neuhaus sein Mittelfeld überhaupt auf den Platz schickt.

Denn an Alternativen und Varianten mangelt es Unions Coach aufgrund des breiteren Kaders im Vergleich zur Vorsaison nicht. Das ist einerseits positiv, weil „wir nicht so leicht ausrechenbar sind“, wie Offensivkraft Karim Benyamina findet. „Zudem müssen alle Spieler im Training mehr Gas geben, weil sie nicht wissen, ob sie zum Einsatz kommen.“ Andererseits birgt der vermehrte Konkurrenzkampf im Team auch interne Probleme. Uwe Neuhaus sagt: „Wenn man Qualität dazuholt, ändert sich in der Mannschaftsstruktur etwas – zumindest anfangs.“ Und das ist das Dilemma bei den Köpenickern. Gesetzt den Fall, dass der Trainer dem 4-2-3-1-System treu bleibt und Mattuschka und Younga-Mouhani als Doppelsechs Bestand haben, bieten sich für drei freie Stellen in Unions offensivem Mittelfeld gleich sieben Spieler an: Kolk, Brunnemann, Ede, Benyamina, Quiring, Sahin und Michael Parensen, der nach einer langwierigen Verletzung bald wieder fit sein sollte. Klar, dass sich da unter den Profis der zweiten Riege Unmut breitmachen könnte.

Vor allem, wenn das Zusammenspiel der ersten Besetzung so suboptimal läuft wie im ersten Saisonspiel bei Alemannia Aachen. Mit Kolk in der Zentrale und Benyamina und Brunnemann auf den Außenpositionen brachte Union abgesehen von einer kurzen, druckvollen Anfangsphase in der ersten Hälfte nach vorne nicht viel zustande; auch das Führungstor durch Benyamina entsprang mehr dem Zufall als dem Können. Erst mit der Hereinnahme von Chinedu Ede, der später den 2:2-Endstand erzielte, wurden die Köpenicker gefährlicher. Ansonsten unterliefen ihnen oft noch Patzer. Gegen Fürth wird nun „viel darauf ankommen, dass wir unsere Fehler im Aufbauspiel minimieren und die Ordnung beibehalten“, sagt Neuhaus.

Um die Abstimmung in seinem Mittelfeld zu verbessern und gerade den in Aachen oft bindungslos wirkenden Santi Kolk besser zu integrieren, ließ Unions Coach am Donnerstag besonders das Umschalten zwischen Abwehr und Angriff einstudieren. Beim heutigen Heimspiel soll sich das vor allem für den Mann auszahlen, der laut seinem Trainer „jedes Spiel durch seine Pässe entscheiden kann“. Und für Santi Kolk spricht diesmal ja außerdem, dass ihm die Reisestrapazen erspart bleiben.

So will Union spielen:

Glinker – Polenz, Göhlert, Madouni,

Kohlmann – Younga-Mouhani, Mattuschka – Benyamina, Kolk, Ede – Mosquera.

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