100 Meter Sprint Frauen : Auch die schnellste Frau kommt aus Jamaika

Olympiasiegerin Shelly-Ann Fraser ist Weltmeisterin über 100 Meter. Die Silbermedaille im Frauen-Sprint geht ebenfalls an Jamaika.

Frank Bachner
Sprint Fraser
Die schnellste Frau. Shelly-Ann Fraser war zwei Hundertstel schneller als ihre Teamkollegin Kerron Stewart.Foto: dpa

So wirklich realisiert hatte Shelly-Ann Fraser ihre Leistung erst nach ein paar Sekunden. Da sank sie auf den Boden, kniete sekundenlang, die Hände flach auf den Boden gedrückt, das Gesicht auf die Bahn gelegt. Da erst musste ihr wirklich klar geworden sein, dass sie gerade Weltmeisterin über 100 Meter geworden war. Die Olympiasiegerin von 2008 hatte auch den WM-Titel in Berlin gewonnen. Und mit 10,73 Sekunden hatte die 22-jährige Jamaikanerin auch noch eine neue Weltjahresbestzeit aufgestellt. Ihre eigene Bestzeit hatte sie um fünf Hundertstelsekunden verbessert. Silber sicherte sich ihre Landsfrau Kerron Stewart mit 10,75 Sekunden; die Olympiazweite von 2008 stellte ihre persönliche Bestzeit ein. Deutlich zurück auf Platz drei lag die US-Amerikanerin Carmelita Jeter (10,90).

Ausgerechnet Fraser sicherte sich einen Tag nach dem Weltrekord von Usain Bolt (9,58) den Titel. Vor wenigen Tagen hatte der jamaikanische Verband erklärt, die Sprinterin dürfe gar nicht starten. Sie war nicht zu einem Trainingslager in Herzogenaurach erschienen. Doch auf Druck des Weltverbands IAAF mussten die Funktionäre einen Rückzieher machen.

Die kleine Olympiasiegerin startete exzellent. Schon nach wenigen Metern lag sie vor Kerron Stewart, bei 50 Metern hatte die Olympiasiegerin einen deutlichen Vorsprung, doch mit jedem Meter kam Kerron Stewart auf. Kurz vor dem Ziel sah es so aus, als würde sie ihre Rivalin sogar überholen können. Verzweifelt warf Stewart ihren Körper nach vorne, vergeblich.

Bemerkenswert, wie abgeklärt Fraser dieses Rennen gewonnen hatte. Noch beim Start wirkte sie fröhlich, zeigte ihre Zahnspange und sah eher als, als würde sie einen Vorlauf bestreiten. Dabei sorgte diese Frau schon im vergangenen Jahr für Aufsehen. In Peking gewann sie mit 10,78 Sekunden die Goldmedaille, ein Jahr zuvor lag ihre eine Bestzeit von 11,31 Sekunden. Dieser extreme Leistungssprung rief einigen Argwohn hervor. Noch mehr Argwohn könnte sich bei der Siebtplatzierten Chandra Sturrup entwickeln. Der Mexikaner Angel Heredia, früher einer der größten Dopingdealer im Weltsport, behauptete in der ARD, dass die 37-Jährige zu seinen Kundinnen gehört hatte. Ein Kommentar von Sturrup dazu gab es gestern nicht.

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