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11 FREUNDE FREITAGS Die Sonderseite zu jedem Bundesliga-Wochenende : Lesen Sie die Packungsbeilage …

… oder fragen Sie Dietmar Hopp. Unsere Handreichung für Investoren im Profifußball

Philipp Köster

Dicke Überweisungsschecks sind schwer in Mode im Profifußball. Investoren pumpen schon seit Jahren ihre Milliarden in englische Vereine, nun will ein russisches Immobilienunternehmen beim Zweitligisten Carl Zeiss Jena einsteigen. Doch lohnt sich das überhaupt? Was müssen Firmenbosse in Deutschland beachten? Zeit für einen „Investment Guide“ – unsere Handreichung für Geldgeber im Profifußball.

1. Ist es die richtige Sportart?

Fragen Sie Ihre Berater sicherheitshalber noch einmal, in welche Disziplin Sie da investieren. Nicht dass Sie schon große Pläne zur Eroberung des nordamerikanischen Fernsehmarktes schmieden und hinterher entsetzt sind, weil auf dem Rasen zwar „Football“ gespielt wird, der Ball aber leider eiförmig ist.

2. Haben Sie wirklich genügend Geld?

Es hat sich nämlich schon manch einer verhoben beim Versuch, im Fußball eine große Nummer zu werden. Bestes Beispiel: Die obskure Versicherung „Göttinger Gruppe“ wollte mit Tennis Borussia Berlin mal in die Champions League, ein paar Jahre später war die komplette Gruppe pleite, knapp 100.000 Anleger geprellt. „Alles ist weg“, stellte ein Anwalt resigniert fest. Einer der Gründe für den Konkurs? „Das Millionengrab Tennis Borussia“.

3. Nicht doch lieber Lust auf Österreich?

In Deutschland sind die Vereine gerne mal bockig und zieren sich, etwa den Vereinsnamen nach Ihrem Produkt zu benennen. Bislang ist es auch im deutschen Profifußball gar nicht möglich, die Mehrheit eines Klubs zu kaufen, höchstens 49 Prozent. In Österreich hingegen machen die Klubs artig Männchen und nennen sich dann „Fernwärme Vienna“ und „SC Interwetten.com“. Und wenn Sie ganz viel Geld mitbringen wie der Dosenbrause-Erfinder Dietrich Mateschitz, dann benennt sich die Austria Salzburg nicht nur in Red Bull Salzburg um, sondern ändert auch gleich noch die Vereinsfarben.

4. Sorgen Sie für Nebeneinkünfte!

Kurz bevor Sie bei einem Klub einsteigen, informieren Sie Ihre besten Freunde über den anstehenden Deal. Dann läuft es nämlich so wie am Tag vor der Bekanntmachung der Übernahme des englischen Klubs Chelsea durch den russischen Oligarchen Roman Abramowitsch. Statt wie üblich ein paar zehntausend Aktien wurden rund 270.000 Aktien des Klubs gehandelt. Da Abramowitsch einen Kaufpreis von 35 Pence zugesagt hatte, die Aktie aber noch unter 20 Pence dümpelte, machten zahlreiche Großkunden ein gutes Vorabgeschäft.

5. Investieren Sie früh!

Wenn Sie nicht genügend Geld haben, um sich wie Adidas als Partner beim FC Bayern einzukaufen, schauen Sie doch in den unteren Ligen nach. Manch ein verschuldeter Verbandsligist aus Sprockhövel oder Billerbeck wartet nur darauf, von Ihnen mit Millionen alimentiert zu werden. Und auch für Sie kann sich das lohnen. Beispiel gefällig? Im Jahre 1902 stand die unauffällige Eisenbahnertruppe „Newten Heath“ aus Manchester kurz vor der Pleite, da beglich ein neuer Investor die Schulden von 1000 Pfund. Das sollte sich lohnen, heute kennt man die Truppe unter ihrem neuen Namen: Manchester United.

6. Seien Sie nicht wählerisch!

Wenn Sie in einen Klub investieren wollen, ist es völlig egal, ob Sie früher vielleicht mal dem Lokalrivalen die Daumen gehalten haben. Machen Sie es wie Italiens Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi. Der stieg Mitte der neunziger Jahre groß beim AC Milan ein und mimt seither den fanatischen Anhänger. Anfang der Achtziger war Berlusconi hingegen noch großer Fan des Erzfeindes Inter Mailand und hatte offenbar sogar versucht, den Klub zu kaufen. Berlusconi war das allerdings derart peinlich, dass er später herumeierte und verkündete: „Ich möchte klarstellen, dass ich niemals Inter-Fan war, weil man nicht seine Religion ändern kann.“

7. Lesen Sie die Packungsbeilage!

Informieren Sie sich vorher zumindest ein kleines bisschen über den Namen des Klubs, in den Sie investieren wollen. Sonst geht es Ihnen wie den neuen Besitzern des englischen Renommierklubs Liverpool, die den FC kurzerhand nach alter Baseballmanier umbenannten: Sie sprachen bei der ersten Pressekonferenz unwissend von den „Liverpool Reds“. Beunruhigend. Könnte ja sein, dass sich der amerikanische Neubesitzer Malcom Glazer irgendwann zu einer Umbenennung des Traditionsklubs Manchester United entschließt – in die „Manchester Red Sox“.

8. Wechseln Sie kurzfristig Strategien!

Dietmar Hopp, Gründer der Computerfirma SAP, hat es vorgemacht. Jahrelang gab Hopp den wohltätigen Mäzen der TSG Hoffenheim und setzte auf grundsolide Förderung des Nachwuchses. Am Ende wurde er sogar als „Anti-Abramowitsch aus dem Kraichgau“ bezeichnet. Weil der Klub aber, anstatt schnurstracks in die Bundesliga durchzumarschieren, im Tabellenkeller der Zweiten Liga herumkrebst, änderte Hopp den Kurs und machte stolze 20 Millionen für neue Spieler locker. Rührend, wie anschließend der für acht Millionen verpflichtete Brasilianer Carlos Eduardo verkündete: „Hier kann ich mich am besten entwickeln.“ Aber sicher, Geld hat keine Rolle gespielt.

9. Seien Sie bescheiden!

Lassen Sie nicht den Superreichen heraushängen. Das schürt nur den Neid der Anhänger, die das Geld für die Eintrittskarte zusammenkratzen müssen, weil Sie gerade saftig die Preise erhöht haben. Allzu großer Protz macht da nur eine schlechte Presse. Lassen Sie sich also nicht allzu häufig auf Ihrer gefühlt 800 Meter langen Luxusjacht fotografieren wie der Chelsea-Investor Roman Abramowitsch. Lassen Sie auch keine Kaufhäuser absperren, damit Ihre Gattin ungestört in der Schmuckabteilung einkaufen kann. Machen Sie es stattdessen wie Manchesters Eigner Malcolm Glazer, der trotz seines Milliardenvermögens ostentativ 20-Dollar-Hosen der Billigmarke JC Penney aufträgt.

10. Pleite? Jeder kann Besitzer werden!

Zwar noch nicht hier in Deutschland, aber drüben auf der Insel. Auf der Internetseite www.myfootballclub.co.uk kann jeder Fan für nur 35 Pfund im Jahr mit anderen Fans zusammen einen Klub kaufen und dann Vereinspolitik machen – zum Beispiel als Vereinsfarben braun-rosa festlegen.

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie auch Ihren Fondsmanager.

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