11Freunde Freitags : Star im Spiegel

Ich sehe so aus wie ein Fußballstar: Vier Fans berichten über ihr Leben als Doppelgänger, lästige Autogrammjäger, eifersüchtige Freundinnen und aufdringliche Verehrerinnen.

Autogrammkarten hat Martin aus Keltern nie dabei. Wozu auch, als ganz normaler Fußballfan. Aber er könnte sie gebrauchen: Er sieht Miroslav Klose zum Verwechseln ähnlich. Das ist natürlich kein Einzelschicksal, auch andere Menschen erleben kuriose Situationen, weil sie wie der Zwillingsbruder eines Stars aus der Fußball-Bundesliga aussehen. Nicht wenige wollen sich sogar als prominenter Fußballer ausgeben:



MARTIN (33, MIROSLAV KLOSE)

„Wenn Deutschland 2006 nicht die Fußball-Weltmeisterschaft bekommen hätte, dann wäre es den Menschen vielleicht nie aufgefallen, wie ähnlich ich Miroslav Klose sehe. Aber mit der WM herrschte dann so eine Euphorie hier, und es gab so einen Rummel um die deutschen Spieler, dass mich plötzlich ganz viele Menschen angesprochen haben. Autogrammwünsche als Miroslav Klose darf ich allerdings nicht erfüllen. Das wäre Urkundenfälschung. Einmal bin ich allerdings von einem lokalen Radiosender interviewt worden, weil der Moderator dachte, ich sei der echte Klose. Und das Interview wurde dann sogar gesendet. Aber immerhin ist „Miro“ wirklich mein Spitzname, und den will ich mir auch als Künstlernamen in den Ausweis eintragen lassen. Er hat mir schon gute Dienste geleistet, auch meine Freundin hat mich unter diesem Namen kennengelernt. Ich bin übrigens sehr froh darüber, dass Klose im vergangenen Jahr zu Bayern München gewechselt ist. Das passt jetzt doppelt gut mit ihm und mir, schließlich bin ich Fan des Vereins und auch Fan von Klose selbst – ist doch klar, bei der Ähnlichkeit. Als Miroslav Klose noch bei Werder Bremen gespielt hat, hatte ich es immer ganz schön schwer. Da wusste ich bei Spielen gegen Bayern nie, wem ich nun die Daumen drücken soll. Einerseits spielte zwar mein Lieblingsverein, andererseits konnte ich ja nicht hoffen, dass mein Doppelgänger verliert. Das war ein echter Gewissenskonflikt. Jetzt ist alles optimal und ich kann den FC Bayern und Miroslav Klose gleichzeitig anfeuern.“

MICHAEL (53, RUDI VÖLLER)

„Von Natur aus sehe eigentlich gar nicht hundertprozentig wie Rudi Völler aus. Dazu ist immer etwas Vorarbeit nötig. Erst mal muss ich mir einen Schnurrbart wachsen lassen und meine Haare so legen, wie sie sich der Rudi immer legt. Aber das ist immer nur für meine Auftritte als Völler, danach kommt der Schnurrbart gleich wieder ab. Meine Frau mag mich ohne den Bart einfach lieber. Außerdem will ich im normalen Leben lieber ich selbst sein, auch wenn ich Rudi als Sportler natürlich sehr achte. Und dann habe ich ja auch Vorteile von meiner Ähnlichkeit: Da, wo ich wohne, bin ich inzwischen so bekannt, dass mich neulich bei einer Verkehrskontrolle die Polizisten einfach durchgewunken haben. Davor haben sie sich noch kurz beratschlagt, aber dann haben sie mir einfach eine gute Fahrt gewünscht. Hauptberuflich habe ich übrigens ein Modelabel und muss sagen, dass Rudi Völler ja immer sehr seriös gekleidet ist.“

STEFAN (21, LUKAS PODOLSKI)

„Um wie Lukas Podolski auszusehen, muss ich überhaupt nichts tun, das ist einfach so. Unsere Gesichter gleichen sich nun mal, und meine Haare trage ich eh wie er. Und dann gibt es noch eine Ähnlichkeit: Wie Poldi habe ich auch eine Freundin, die manchmal eifersüchtig ist, wenn ich von aufdringlichen weiblichen Fans angesprochen werde. Junge Frauen verwechseln mich nämlich oft mit dem Fußballer. Ihre Angebote kann ich selbstverständlich nicht annehmen. Meist finde ich es aber ganz gut, Poldi so ähnlich zu sehen. Einmal hat sich mein Aussehen sogar im wahrsten Sinne des Wortes ausgezahlt. Da habe ich bei einem Doppelgängerwettbewerb einer Zeitung 500 Euro gewonnen. Aber manchmal ist es auch komisch, so auszusehen wie Podolski. Bei einem Fußballturnier, bei dem ich mal mitgemacht habe, waren die Kinder, die da waren, allesamt davon überzeugt, dass ich Podolski bin. Hat gar nichts genutzt, dass ich sagte, dass ich es nicht bin. Haben sie nicht geglaubt. Am Ende musste ich mich mit den Kindern fotografieren lassen.“



MICHAEL (23, MICHAEL BALLACK)

„Ich sehe zwar aus wie er und habe den gleichen Vornamen wie Michael Ballack, doch leider spiele ich nicht so gut Fußball wie er. Dabei würde mir das Leben eines Fußballprofis sehr gefallen, besonders die fürstliche Bezahlung. Und die Frauen laufen einem hinterher, das würde ich natürlich nicht ausnutzen, aber einmal habe ich doch erlebt, wie das ist. Meine Freunde nennen mich eigentlich immer Ballack, und als mich einer von ihnen in der Disko dann mal so rief, war ich sofort von mehreren jungen Frauen umringt. Die wollten mich alle kennenlernen, weil sie halt dachten, dass ich der große Star von Bayern München bin. Und einmal, als ich in Berlin in einem Hotel war, hat mich eine Angestellte auch für Ballack gehalten. Sie war dann total aufgeregt, so einen prominenten Gast zu haben, dass sie sich überhaupt nicht mehr auf die Arbeit konzentrieren konnte. Prompt hat sie sich verrechnet – 100 Euro zu meinen Gunsten.“

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